Scheidgraben als Freizeitband entwickeln
Stadtentwicklung: Vorentwurf für ,,Groß-Gerau 2020" bescheinigt Dornheim hohe Lebensqualität - Ruftaxi und B 44
In die dritte Runde ging am Mittwochabend die Vorstellung des Vorentwurfs zum Stadtentwicklungsprojekt ,,Groß-Gerau 2020". Im Dornheimer Rathaus informierten Bürgermeister Stefan Sauer (CDU) und Projektbetreuer der Planungsgesellschaft Kokon über Entwicklungsmöglichkeiten im Stadtteil.
Ziel sei - so Sauer - die geringen Haushaltsmittel in den nächsten Jahren im Interesse der Bürger zu investieren. Zur Stadtentwicklung gehöre es auch, Flächen zu bewahren und zu akzentuieren, sagte der Bürgermeister. Wichtig sei, keine Fehlentwicklungen zuzulassen. Kritik äußerten einige Zuhörer an den ihnen präsentierten Ergebnissen.
,,Ich gehe ein bisschen deprimiert nach Hause", sagte Sylvia Schneider, die sich konkretere Ergebnisse gewünscht hatte. Sauer betonte, dass sich die Planung immer noch in einer Phase befindet, die der Ideensammlung dient und in der die Entscheidungsträger der Kreisstadt sowie die Bewohner der Stadtteile aufgerufen sind, ihre Vorschläge einzubringen. Erst danach werde ein Entwicklungskonzept erarbeitet und vorgestellt, dass dann auch die politischen Gremien durchlaufen müsse.
Für den Ausschnitt Dornheim als Teil eines Gesamtkonzeptes bescheinigten die Planer eine hohe Lebensqualität. Die Auswertung der Bürgerbefragung, der Zukunfts- und Planungswerkstatt im vergangenen Jahr haben gezeigt, dass Dornheim als Wohnstandort hoch bewertet wurde. Zudem hat der Stadtteil das größte Wohnbaupotenzial in Groß-Gerau. Neue Wohnbebauung zeichne sich auf dem ehemaligen Komatsu-Gelände ab, erklärte Magistratsmitglied Richard Zarges (Kombi). Der Investor wolle das Gelände in den nächsten ein bis zwei Jahren erschließen.
Ebenfalls gute Noten gab es für Dornheim als Bildungs- und Kinderbetreuungsstandort. Großes Potenzial sehen die Planer auch für den Scheidgraben, der als ,,Freizeitband" noch stärker als Charaktermerkmal Dornheims zur Geltung gebracht werden könne, so Alexandra Ladewig vom Planungsbüro. In diesem Zusammenhang ist die Gewässerpflege ein Thema, um am ,,Stinkebach", ,,dem ehemaligen Schwimmbad von Dornheim", wie Rainer Landau den Scheidgraben nannte, attraktive Treffpunkte zu etablieren. Hier würde sich ein Treffpunkt für die Jugend, etwa eine Grillhütte anbieten, so der Vorschlag aus den Reihen der Zuhörer.
Besonders großes Interesse zeigten die rund 20 Versammlungsteilnehmer am Mittwoch bei den Themen Mobilität und Verkehr sowie Infrastruktur. Von den Anwohnern wurde Sauer darauf aufmerksam gemacht, dass die Busfahrzeiten nicht mit den Schulzeiten abgestimmt seien. Das soll verbessert werden. Als Lösung auch für die geringe Nutzung der Busse außerhalb der Hauptverkehrszeiten nannte Sauer die Möglichkeit, Ruftaxis einzusetzen.
Wann die Ortsumgehung komme und wie die Zukunft des Bahnhofs aussehe, wollten die Dornheimer ebenfalls wissen. Beide Projekte würden von der Stadt weiterverfolgt, erklärte Bürgermeister Sauer. Er sagte, er sei zufrieden, wenn in zehn Jahren eine Ortsumgehung gebaut sei. Nachdem das beauftragte Planungsbüro Ende des vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet hatte, musste vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Darmstadt zunächst ein neuer Auftragnehmer gefunden werden. Erst wenn eine Abstimmung mit Riedstadt und den betroffenen Grundstückseigentümern gelungen sei, gehe das Projekt in die nächste Phase, so Sauer.
Zum von den Versammelten angesprochenen Ausbau des Breitbandnetzes erklärte Sauer, die Stadt wolle solche Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Möglichkeiten unterstützen, beispielsweise mit ,,Impulsfinanzierungen". Er verwies jedoch bei geforderten Sofortmaßnahmen wie Ausbesserungen der Gehwege auf das Haushaltsdefizit der Stadt von 6,2 Millionen Euro.
,,Wir haben heute Abend gute Anregungen mitgenommen", sagte Sauer abschließend. Die Stadtentwicklung müsse systematisch vorangebracht werden.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 19. März 2010