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Gedenktafeln für die Opfer des Nationalsozialismus und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 eingeweiht

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Ehrenhalle neue Gedenktafeln

Der Einweihung der beiden neuen Gedenktafeln in der Ehrenhalle des historischen Rathauses der Kreisstadt ging eine einvernehmliche Entscheidungsfindung des Stadtparlamentes voraus, betonte Bürgermeister Stefan Sauer:
Zum einen, das nicht mehr zu restaurierende Denkmal für die Kriegsopfer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 durch eine Tafel zu ersetzen und zum andern, in der Ehrenhalle des Rathauses nicht nur an die gefallenen Soldaten zu erinnern, sondern alle Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes in das Gedenken einzubeziehen.


Zur Gedenktafel des Denkmals 1870/71

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Ehrenhalle neue Gedenktafeln 3

Standort des ursprünglichen Denkmals war der Sandböhl. Aufgrund der Neugestaltung des Areals Ende der siebziger Jahre, die den Platz zur Fußgängerzone machte und ihn als Ort von Veranstaltungen vorsah, galt es, einen neuen Standort für das Denkmal zu finden. Dies war ein Bereich im Umfeld der Stadtkirche, dort, wo heute das neue Gemeindehaus steht. Der Zustand des Denkmals für die Groß-Gerauer Opfer des Krieges 1870/71 verschlechterte sich zusehends. Erörterungen mit dem Mainzer Institut für Steinkonservierung und dem Landesamt für Denkmalpflege ergaben Ende der neunziger Jahre, dass keine Sanierung mehr möglich sei, da sich der Sandstein schälte und dies soweit fortgeschritten war, dass der Obelisk – er befand sich in unmittelbarer Nähe zu einem öffentlichen Kinderspielplatz – inzwischen ein Sicherheitsrisiko darstellte. Das Denkmal wurde abmontiert und 1999 im Bauhof des Stadtteils Dornheim eingelagert.

Die jetzige Tafel tritt an die Stelle des Denkmals und gibt die Inschrift der Opfer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wieder. Es wurden seitens der Verwaltung Überlegungen angestellt, die Vornamenskürzel durch die vollen Vornamen zu ersetzen, erläuterte Bürgermeister Sauer. Die dazu notwendigen Recherchen im Stadtarchiv und im Archiv der Evangelischen Kirche konnten aber nur zwei Vornamen ermitteln. Hier sei dem ehrenamtlichen Archivar der Stadtkirche, Herrn Harald Hock, für seine Unterstützung gedankt. Die Verwaltung hat sich aufgrund der Unvollständigkeit entschlossen, es bei den Kürzeln der ursprünglichen Inschrift zu belassen.


Zur Gedenktafel der Opfer des Nationalsozialismus

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Ehrenhalle neue Gedenktafeln 2 © 

Das Erinnern nicht nur an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten, sondern an alle Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes, ist eine notwendige und zeitgemäße Form des Gedenkens. Denn inzwischen haben sich die Menschen in Deutschland und die gesellschaftlichen Institutionen der Aufgabe gestellt, das Ausmaß des Unrechts wie der Gewalt des Nazi-Regimes offenzulegen und die verschiedensten Opfergruppen zu würdigen. Dies wird mit dem nun in der Ehrenhalle öffentlich dargebotenen Text, der mit den Fraktionen des Stadtparlaments abgestimmt ist, möglich.

Auch hier gab es die Überlegung, alle Opfer namentlich zu nennen. Erste Recherchen und Gespräche mit Experten ergaben jedoch, dass dies in dieser Breite eine nicht sinnvoll zu lösende Aufgabe darstellt, da die Quellen in Archiven im ganzen Bundesgebiet zu suchen wären und am Ende keine Gewähr da sein würde, alle Namen auch zu finden. Die jetzt gewählte Form der generalisierenden Darstellung, die im Übrigen in vielen Städten und Gemeinden praktiziert wird, würdigt die Opfer in angemessener Form.


Durch das Hinzufügen der beiden neuen Gedenktafeln hat die Ehrenhalle eine notwendige Ergänzung erfahren. Sie ist gewissermaßen auf der Höhe der Zeit im Sinne unseres heutigen Bewusstseins für das, was vormals in Deutschland und zwischen Deutschen und Franzosen geschehen ist. Sie wird damit auch eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und – so hoffen wir – eine noch höhere Akzeptanz in der Mehrheit der Bevölkerung finden. Mit diesem Denkmal-Ensemble wird unser Gemeinwesen seiner Pflicht zur Erinnerung in angemessener Weise gerecht. Ehe er die Teilnehmer der Feierstunde zu einer Schweigeminute aufrief, dankte Bürgermeister Stefan Sauer allen, die sich engagiert für das Installieren der beiden neuen Gedenktafeln eingesetzt haben.