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02. Juli 2014

Altheim-Kabinett im Stadtmuseum feierlich eröffnet

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Zum 100. Todestag des in Groß-Gerau geborenen Malers Wilhelm Altheim präsentiert die Stadt Groß-Gerau im Stadtmuseum eine dauerhafte Kabinettausstellung, die Anfang Juli feierlich eröffnet wurde.

Gut 500 Arbeiten des Künstlers befinden sich derzeit im Besitz der Stadt Groß-Gerau. In der neu eingerichteten Ausstellung sind jeweils rund 80 Werke zu sehen, die in einem regelmäßigen Turnus gewechselt werden. So bleibt der Besuch des Altheim-Kabinetts für den Betrachter stets spannend, bietet immer Neues.

Gelungen sei das Einrichten der Präsentation dank der Unterstützung der Sparkassen-Stiftung Groß-Gerau, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen wie dem Land Hessen, freute sich Bürgermeister Stefan Sauer in seiner Ansprache. Zu den Ehrengästen gehörte - neben den Vertretern der Unterstützer – Traute Kirchholtes, die der Stadt Groß-Gerau vor wenigen Wochen eine wertvolle Rötelzeichnung von Wilhelm Altheim als Geschenk übergeben hat.

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Das Stadtmuseum sei um eine Attraktion reicher und werde zukünftig auch im Veranstaltungsprogramm mit Themen rund um den Maler Wilhelm Altheim aufwarten, kündigte Museumsleiter Jürgen Volkmann an. Er wusste einige überlieferte Anekdoten aus dem Leben von Wilhelm Altheim zu erzählen, der nur wenige persönliche Notizen hinterlassen hat. „...de verrickt Moler“ unterzeichnete der Maler einmal eine Postkarte an seine Freunde.

Altheim wurde am 7. August 1871 als Sohn des Schneidermeisters Johann Daniel Altheim und seiner Frau Margarethe, geb. Hedderich, in der Mainzer Straße geboren. Die Gehöfte und Stallungen der Umgebung waren sein Kindheitsrevier. Der Groß-Gerauer Fabrikant Julius Wolff erkannte sein großes zeichnerisches Talent und ermöglichte ihm ab 1886 die Ausbildung bei Heinrich Hasselhorst (1825-1904) an der Städelschule. Er gehörte zusammen mit Fritz Boehle (1873-1916) zu den begabtesten Schülern und mit ihm teilte er die Leidenschaft für Pferde- und Tierdarstellungen.

Besonders gerne verfolgte Altheim die Ausritte und Übungen der 13. Bockenheimer Husaren. Auch legte er sich eine private Waffensammlung an – seine Schießübungen stießen allerdings auf das Missfallen seiner Umgebung.

Ein Studienaufenthalt in Paris im Jahre 1894 erzeugte bei ihm keine große Begeisterung, ebenso spätere Reisen nach Florenz, Rom, Holland und Südfrankreich. Altheim reflektierte seine unmittelbare Umgebung und dabei die Welt der kleinen Leute - der Handwerker, Bauern, Fuhrleute, Schäfer, Schiffer - und schilderte sie in realistischer, unverklärter Manier. Sein zeichnerisches Vermögen war herausragend.

1897 heiratete er seine Mitstudentin Marie Teichmann, Pfarrerstochter aus Nienburg an der Weser, mit der er ins ländliche Eschersheim zog. Dort begann eine glückliche und produktive Zeit. Seine Tierliebe fand hier den geeigneten Entfaltungsraum. Er hielt sich Esel, Hunde und sogar Affen und einen Bären. 1898 und 1901 kamen der Sohn Franz – später ein bekannter Althistoriker – und seine Tochter Marieluise zur Welt.

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Auch seine exzentrische Lebensweise fand in Eschersheim eine Bühne. Bekannt sind seine Ausritte, die ihn als Cowboy oder Husar verkleidet samt Esel bis zum Tresen der Gasthäuser führten. Die Frankfurter Gesellschaft schätzte ihn als unterhaltsamen Gast. Seine Arbeiten verkauften sich gut.

 

 

Altheim verfiel jedoch im Laufe der Zeit mehr und mehr dem Alkohol. Trotz Entziehungskur gab es keine Besserung und seine Frau entschloss sich zur Trennung. Er zog in eine ärmliche Behausung nach Rödelheim und ließ dort weiter nach. Beim Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig, wurde aber nicht angenommen. Am 1. Weihnachtstag 1914 war er psychisch und physisch am Ende und nahm sich das Leben.

Altheim blieb auch nach seinem Tod in Frankfurt präsent. 1915 gab es eine Gedächtnisausstellung, 1927 erschien eine Monographie von Karl Simon.
Seit den 1950er Jahren bemühte sich die Stadt Groß-Gerau mit ihrem Kulturamtsleiter Franz Flach um Altheims Nachleben. Die Erben entschlossen sich schließlich, den Nachlass nach Groß-Gerau zu geben.