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08. Juli 2014

Eine lebendige Gemeinschaft -
55 Jahre europäische Städtepartnerschaft

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Logo Städtepartnerschaften

Am 11. Juli 1959 – vor 55 Jahren – legten engagierte Bürger aus den Städten Tielt (Belgien), Bruneck (Italien/Südtirol), Brignoles (Frankreich) und Groß-Gerau den Grundstein für eine freundschaftliche Verbundenheit auf europäischer Ebene.
30 Jahre später, im Mai 1989 – vor jetzt 25 Jahren – erweiterte sich der Kreis. Groß-Gerau und die polnische Kommune Szamotuły schlossen einen Freundschaftsvertrag. Bald darauf fand Szamotuly ganz offiziell Aufnahme in dem Verbund der nun fünf in einer europäischen Ringpartnerstadt befreundeten Städte.

Anlässe genug, um auf die Entstehung zurückzublicken. Aus Groß-Gerauer Sicht ebenso wie aus dem Blickwinkel der Partnerschaftskommunen, deren Bürgermeister sich zu Wort meldeten:

Nach dem Leid, das die Menschheit im Zweiten Weltkrieg erleben musste, war der Wunsch nach einem vereinten Europa Anfang der fünfziger Jahre zusehends gewachsen. Auch in Groß-Gerau, wo der damalige Bürgermeister Dr. Bernhard Lüdecke, der in der Europa-Union und anderen internationalen Vereinigungen aktiv war, den Beitritt zum „Rat der Gemeinden Europas“ anregte und – mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung – im März 1955 realisierte. Nach der Teilnahme am europäischen Gemeindetag 1958 in Lüttich steigerte sich in Groß-Gerau das Begehren, eine Städtepartnerschaft einzugehen. Ähnliche Gedanken hegte die belgische Kommune Tielt. Nach ersten Kontakten zwischen diesen beiden Städten, entstand, bedingt durch persönliche Kontakte der beiden Bürgermeister nach Bruneck und Brignoles, die Idee, alle vier Kommunen in einer Ringpartnerschaft zusammenzuführen. Gesagt, getan: Im Juli 1959 trafen sich Vertreter aller vier Städte in Tielt, unterzeichneten in einem festlichen Akt die Verschwisterungsurkunde. Aus Groß-Gerau waren Bürgermeister Dr. Bernhard Lüdecke, Stadtrat Gustav Birkholz, Kreistagsabgeordneter Georg Sturmowski, Groß-Geraus Kulturamtsleiter Franz Flach sowie eine Trachten- und Musikgruppe angereist.

Völkerverbindender Gedanke bis heute aktuell

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Städtepartnerschaft BGM Bruneck 2014

„Der hauptsächliche Sinn dieser Vereinigung war es, die Menschen zusammenzuführen, damit sie einander nach den Wirren des Krieges wieder verstehen und die verschiedenen Mentalitäten respektieren konnten. Das Bedürfnis und der Wunsch nach Frieden waren die Leitgedanken der europäischen Integration. Dazu war und ist es notwendig, dass sich Menschen kennenlernen, freundschaftlich begegnen. Dieser völkerverbindende Gedanke ist bis heute aktuell“, schreibt Brunecks Bürgermeister Roland Griessmair.
Auch wenn heute für viele junge Menschen ein friedliches Europa mit einer gemeinsamen Währung und offenen Grenzen eine Selbstverständlichkeit ist, so sei der Hauptgrund, der in Bruneck vor 55 Jahren zur Gründung der europäischen Ringpartnerschaft geführt hat, nämlich Menschen zusammen zu bringen, nach wie vor aktuell, so Griessmair weiter.

Auch zukünftig ein "Herz für Europa"

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SCHEPENCOLLEGE TIELT / ELS DE RAMMELAERE - BURGEMEESTER
In Tielt hat Alles angefangen", freut sich Els De Rammelaere, Bürgermeisterin von Tielt: die Städtepartnerschaft der vier europäischen Kommunen, die Europatage, die auch anno 2014 noch die größte alljährliche Veranstaltung in Tielt seien. Die internationale Zusammenarbeit, die vielen Begegnungen von Vereinen sowie zahlreiche europäisch geprägte Projekte dokumentieren unsere Auffassung eines vereinten Europas , das wir auf eine menschliche und konkrete Weise mitgestaltet haben, so Els De Rammelaere: „Unsere Ringpartnerschaft hat also bestimmt dazu beigetragen, den abstrakten Begriff Europa in eine bürgernahe und menschliche Realität umzuwandeln. Inzwischen haben die grenzenlosen technologischen und kommunikativen Möglichkeiten des Digitalzeitalters neue Grenzen eröffnet, und den Begriff Europa weltweit neu definiert. Durch unsere jahrzehntelangen europäischen Kontakte haben wir erfahren, dass eine internationale Zusammenarbeit in Freundschaft überaus bereichernd wirkt. Die miteinander erlebte Geschichte einer jetzt 55-jährigen Ringpartnerschaft bekräftigt uns in der Überzeugung, dass wir auch in Zukunft ein Herz für Europa haben sollten.“

Freunde gefunden, die uns Wege bereiteten und Chancen eröffneten

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Städterpartnerschaft BGM Szamotuly 2014
"Die europäischen Städtepartnerschaften sind für uns von besonderer Bedeutung", betont Włodzimierz Kaczmarek, Bürgermeister von Szamotuly. Alles habe in den späten achtziger Jahren begonnen, als die Folklore-Gruppe "Szamotuły" in Tielt zu Gast war. Für die polnische Stadt, die damals mit allerlei Turbulenzen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte, sei dies wie ein Durchbruch gewesen.
„Es stellte sich heraus, dass unsere Freunde im Ausland uns nie im Stich gelassen haben. Sie boten uns vielfältige Unterstützung, halfen diese schwere Zeit zu überwinden. Und sie halfen uns, den europäischen Weg zur Entwicklung einer Demokratie einzuschlagen. Dies alles untermauerte schlussendlich den Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahr 2004. Wir sind das jüngste Mitglied unserer Städtepartnerschafts-Familie. Beeindruckende 55 Jahre stehen in keinen Vergleich zu 25 Jahren, aber für uns war es sehr wichtige Zeit, eine Zeit, die den Wind der Veränderung mit sich brachte und uns damit viele Chancen eröffnete“, schreibt Włodzimierz Kaczmarek.

Regelmäßige Begegnungen fördern das gegenseitige Verständnis

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Sauer Porträt © Stadt Groß-Gerau/Thomas Goos

„Wenn wir unseren Nachbarn ohne Vorbehalte begegnen, bereit sind, auf fremde Menschen zuzugehen, ihre Lebensgewohnheiten kennenzulernen, Verständnis füreinander aufzubringen, dann kann ein harmonisches Miteinander gelingen.“ Dies, so Groß-Geraus Bürgermeister Stefan Sauer, gilt für die private Umgebung ebenso wie auf europäischer Ebene. Heute genauso wie vor 55 Jahren, als die Ringpartnerschaft der europäischen Städte Bruneck, Brignoles, Groß-Gerau und Tielt ins Leben gerufen wurde.
„Diese Begegnungen, das Kennenlernen der europäischen Nachbarn auf einer ganz persönlichen Ebene, befördert das gegenseitige Verständnis“, ist Stefan Sauer überzeugt: „Wenn die jungen Leute im internationalen Jugendcamp der Partnerstädte trotz mancher Sprachbarriere feststellen, dass sie sich – bei aller Unterschiedlichkeit – für die gleiche Musik begeistern, die Themen ihrer Hobbys nah beieinander liegen und bisweilen Freundschaften knüpfen, die über lange Jahre andauern, sind sie auf einem guten Weg wahrhafte Europäer zu werden.“ Für eine beständige Gemeinschaft der europäischen Staaten ist wichtig, sich ein eigenes Bild von den Menschen in den Nachbarländern zu machen, neugierig zu sein auf eine anfangs womöglich fremde Kultur, freut sich Bürgermeister Sauer auf zukünftige Begegnungen.