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Kreisstadt Groß-Gerau

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64521 Groß-Gerau

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Haus Raiss - Haus Leni -
Geschichte der Seniorenarbeit

Das Haus Raiss ist seit 1983 der historische Sitz der Städtischen Seniorenarbeit und zugleich beliebter Treffpunkt für ältere Menschen und Seniorengruppen. Es wird abgerissen und an gleicher Stelle wird ein modernes und barrierefreies Gebäude mit großzügigem Raumangebot erbaut. 
Im Juli 2019 wurde die Nutzung des Haus Raiss eingestellt, die Büros der Seniorenarbeit - und viele Seniorengruppen - zogen in das Haus Leni in der Darmstädter Straße 101 um. Das Übergangsquartier bleibt so lange bestehen, bis das "neue Haus Raiss" errichtet ist.

Vom Wohnhaus zum Sitz der Seniorenarbeit:

1908 - Samuel und Juliane Hirsch
Im Jahr 1908 erwarben Samuel Hirsch (geboren 21.11.1846) und seine Frau Juliane Hirsch, geborene Krieger (geboren 1.3.1856) das Haus und zogen mit ihrem Sohn Gustav Hirsch (geboren am 23.5.1889) ein. Zuvor hatten sie in Wallerstädten gewohnt. Samuel ist von Beruf Metzger, er baut ein kleines Verkaufslädchen neben das Haus, da wo heute vorn an der Straße die Garage steht. Das Grundstück des Haus Raiss stand damals als 'Hofreite Am Hospitalgarten mit Grabgarten' im Grundbuch. Samuel Hirsch starb 1923, seine Frau Juliane 1925.

1925 - Gustav und Lina Hirsch
1925, als die Eltern gestorben waren, wurde Gustav Hirsch (geboren am 23.5.1889) Eigentümer des Hauses - gemeinsam mit seiner Ehefrau Lina Hirsch, geborene Mayer (geboren am 6.3.1896). Sie wohnten hier mit ihrer 1920 geborenen Tochter Liesel Hirsch, außerdem wohnte noch Linas Mutter Emma Mayer, geborene Kahn (geboren am 6.9.1873) dabei. Gustav Hirsch arbeitete als Metzger und Viehhändler. Er war Vorsteher der jüdischen Gemeinde.

1938 - Verfolgung durch die Nazis
1938 in der Kristallnacht umstellten SA-Leute das Haus , verwüsteten es und warfen Möbel auf die Straße. Gustav Hirsch wurde wie viele andere männliche Juden aus Groß-Gerau für einen Monat im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Das Nazi-Regime versagte ihm das Recht, seinem Beruf nachzugehen und zwang ihn, sein Haus zu verkaufen. Käufer war Philipp Raiss. Die Familie Hirsch zog kurzfristig nach Frankfurt, von wo aus ihr im Januar 1940 die Flucht in die USA gelang, nur so konnten sie ihr Leben retten. In Bridgeport im Bundesstaat Connecticut konnten sie sich eine neue Existenz aufbauen.

1939 - Philipp Raiss
1939 erstand der Weißbindermeister Philipp Raiss das Haus. Er lebte und arbeitete darin, seine Werkstatt hatte er hinter dem Haus. Auf ihn geht der heutige Name des Hauses zurück. Sein Namensschriftzug lässt sich noch heute an der Außenfassade der Hausfront erkennen, umgeben von auffälligen Malereien, die die vier Jahreszeiten darstellen.

Um 1980 - Das Haus geht an die Stadt
Nach seinem Tod in den achtziger Jahren vermachte Philipp Raiss das Haus der Stadt Groß-Gerau mit der Auflage, darin eine Einrichtung für alte Menschen anzubieten. Seniorenarbeit war derzeit in Groß-Gerau noch nicht manifestiert. Wohl gab es bis dato bereits einzelne Seniorenkreise, nirgends jedoch eine Stelle die Angebote koordinieren und ausbauen konnte - von Räumlichkeiten ganz zu schweigen. Die Stadt Groß-Gerau erkannte die Zeichen der Zeit, sie baute nach hinten an und verschaffte dem kleinen Haus großzügige Räumlichkeiten, die man von vorn nur erahnen konnte.

1983 - Das Haus Raiss wird eröffnet - Seniorenarbeit beginnt
Am 7. Juli 1983 wurde das Haus Raiss als Senioren-Begegnungsstätte eröffnet und schon ab dem ersten Tag trafen sich hier Seniorengruppen. Neben den Veranstaltungsräumen wurde im ersten Stock auch ein Büro für die Seniorenarbeit eingerichtet. Ein fundiertes Konzept der Seniorenarbeit wurde entwickelt, der Sozialarbeiter Jürgen Kopp war von 1991-2020 maßgeblich am Auf- und Ausbau beteiligt und kreiierte gerade in der Anfangsphase zahlreiche Angebote, von denen viele bis heute fortleben. Immer vielseitiger wurden die Arbeitsinhalte und immer wichtiger das Thema Beratung. Jürgen Kopp half aktiv bei der Entwicklung der 'Beratungs- und Koordinationsstelle", die für alte Menschen und Angehörige rasch eine wichtige Anlaufstelle bei Problemen rund um das Alter wurde. Ende der achtziger Jahre setzte er sich erfolgreich dafür ein, die Beratungsstelle in die 'Städtische Seniorenarbeit' zu integrieren.

2016 - Verlegung von Stolpersteinen
Zur Erinnerung an die jüdische Familie Hirsch wurden am 11. Oktober 2016 vor dem Haus Raiss Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Gustav und Lina Hirsch, an ihre Tochter Liesel und an Emmy Mayer, der Mutter von Lina (Näheres zu Familie Hirsch siehe unter 1925 und 1938). Bei der Stolpersteinverlegung war Melissa Pope, die in den USA lebende Enkelin von Liesel Hirsch, mit ihrer Familie anwesend.

2019 - bis heute
Im Juli 2019 wird die Nutzung des alten Haus Raiss eingestellt. Die Städtische Seniorenarbeit und die Seniorengruppen beziehen ein Übergangsquartier im Haus Leni (Darmstädter Str. 101).
Das Haus Raiss steht leer, wird abgerissen und an selber Stelle als modernes Gebäude neu errichtet.
Es ist geplant, dass die Städtische Seniorenarbeit nach der Fertigstellung in das neue Gebäude einzieht und sich dort wieder zahlreiche Seniorengruppen treffen.
Wie sagte der seit fast 30 Jahren im Haus Raiss tätige Sozialarbeiter Jürgen Kopp: "Das Aussehen des Neubaus mag anders sein, doch der Name und die Bedeutung für die Kreisstadt bleiben. Der Begriff "Haus Raiss" ist ein Markenzeichen, er steht für die bewährte Anlaufstelle für alle Fragen des Alters, für Beratung und Koordination, für einen Treffpunkt für alte Menschen, für Geselligkeit und für eine bunte Palette von Seniorenveranstaltungen".




Büro Seniorenarbeit

Städtische Seniorenarbeit
Darmstädter Straße 101
64521 Groß-Gerau

Telefon 06152 - 46 11

Neue Email-Adresse:
seniorenarbeit@gross-gerau.de

Jürgen Kopp

Dipl.-Sozialarbeiter

Bettina Schwarze-Altmann
Dipl.-Sozialarbeiterin

Andrea Tenhumberg
Verwaltungsangestellte

 

Öffnungszeiten

Montag 9-13 Uhr
Dienstag 9-13 Uhr und 14-16 Uhr
Donnerstag 9-13 Uhr
sowie Termine nach Vereinbarung.

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Zahlreiche Gruppen gibt es im Kreisstadtgebiet, für viele wird ein Fahrdienst angeboten.

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Der Jahresbericht der Städtischen Seniorenarbeit Groß-Gerau kann hier gelesen werden:  

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