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Abschied beim Freiwilligen Polizeidienst

Bereits seit 2007 ist er in Groß-Gerau unterwegs – der Freiwillige Polizeidienst. Einer, der seit vielen Jahren in der Kreisstadt Präsenz zeigte, war Bernt Brettnich. Nachdem der Freiwillige Polizeidienst in seiner Heimatgemeinde Stockstadt abgeschafft worden war, wechselte er 2014 in die Kreisstadt. Jetzt muss er gezwungenermaßen seinen Dienst quittieren, weil er kurz vor Vollendung des 70. Lebensjahrs steht und damit die Altersgrenze erreicht hat.

Bei einer kleinen Feierstunde im Stadthaus dankten Bürgermeister Jörg Rüddenklau, Dezernentin Sabine Hoffmann, Ordnungsamtsleiter Lebrecht Viebahn und Katja Vagi-Mager, die bei der Polizeistation Groß-Gerau für die Betreuung der ehrenamtlichen Kräfte zuständig ist, Brettnich für sein langjähriges Engagement. Zugleich begrüßten sie Florian Blumenstein (30) als neues Mitglied im Team des Freiwilligen Polizeidiensts.

Brettnich erzählte die ein oder andere Anekdote. Etwa von einer Frau, die ihr Auto suchte, das am Ende nur wenige Meter entfernt stand. Hilfsbereitschaft zu zeigen, gehört gewissermaßen zum Stellenprofil. Gut erinnert sich Brettnich noch an ein Kind, das sich bei der „Nacht der Sinne“ verlaufen hatte. Dem Freiwilligen Polizeidienst gelang es schließlich, die Eltern ausfindig zu machen.

Immer ansprechbar für Einwohnerinnen und Einwohner

Die ehrenamtlichen Kräfte laufen durch Groß-Gerau und seine Stadtteile, unterstützen bei Veranstaltungen, schauen an Schulen und Kitas nach Elterntaxis und geben freundliche Hinweise. Brettnich lüftete auch das Geheimnis, weshalb der Freiwillige Polizeidienst eher zu schlendern scheint. „Wenn wir zu schnell laufen, trauen sich die Leute nicht, uns anzusprechen.“ Genau das aber sollen sie sein: Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Groß-Geraus Einwohnerinnen und Einwohner.

„Der Freiwillige Polizeidienst trägt mit seiner Präsenz dazu bei, das subjektive Sicherheitsempfinden in unserer Stadt zu erhöhen. Daher bin ich für den Einsatz ausgesprochen dankbar“, sagt Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau.

Viele positive Begegnungen im Lauf der Jahre

Bernt Brettnich spricht davon, dass es nur wenige Situationen gegeben habe, in denen er sich unwohl gefühlt habe. In all den Jahren könne er die an einer Hand abzählen. „Die Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern sind fast ausnahmslos positiv verlaufen“, berichtet er.

Während Brettnich aufhört, fängt Florian Blumenstein jetzt an. Auch er hält es für wichtig, zum Sicherheitsgefühl beizutragen. „Außerdem möchte ich meiner Heimat, meiner Stadt etwas zurückgeben“, erklärt er.

Auftrag lautet: Laufen, beobachten, melden

Den Auftrag des Freiwilligen Polizeidiensts umreißt Katja Vagi-Mager so: „Laufen,  beobachten, melden.“ Die Kräfte sollen die Augen offenhalten. Fällt ihnen etwas auf, melden sie es an Stadt- oder Landespolizei. Etwas sanktionieren – also beispielsweise Strafzettel verteilen – dürfen sie nicht, auch wenn sie Uniform tragen. Dokumentieren aber darf der Freiwillige Polizeidienst und regelwidriges Verhalten ans Ordnungsamt weitergeben.

Ein besonderes Augenmerk legen die Helferinnen und Helfer auf Behindertenparkplätze. Steht dort jemand ohne Berechtigung, kann es schon mal sein, dass die Fahrerin oder der Fahrer angesprochen werden.

Kommt es unerwartet einmal zu brenzligen Situationen, sollen die Polizeihelferinnen oder -helfer, die stets zu zweit unterwegs sind, nicht die Heldin oder den Helden spielen, sondern die Landespolizei verständigen. „Sie sollen ja gesund nach Hause kommen“, so Vagi-Mager.

Wer andere gern maßregelt, ist beim Freiwilligen Polizeidienst falsch

Wer sich in Uniform wichtig fühlt und andere gern von oben herab maßregelt, der wäre beim Freiwilligen Polizeidienst falsch. Vielmehr geht es darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und Hinweise zu geben. Schließlich handelt es sich bei Fehlverhalten nicht immer um Absicht, sondern häufig auch um Gedankenlosigkeit.

In der Kreisstadt Groß-Gerau gibt es zehn Stellen für den Freiwilligen Polizeidienst, aktuell sind sechs besetzt – weitere Interessentinnen und Interessenten sind daher willkommen.

Zu den Einstellungsvoraussetzungen gehören ein Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung, das Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung sowie das Beherrschen der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Die Nationalität ist dagegen nicht entscheidend. Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein, das Höchstalter für den Einstieg liegt bei 65 Jahren. Mit 70 Jahren ist dann Schluss.

Rund 50-stündige Ausbildung nötig

Wer beim Freiwilligen Polizeidienst dabei sein will, muss eine rund 50-stündige Ausbildung absolvieren. Dabei geht es um Gefahrenabwehr, rechtliche Vorschriften, Eigensicherung, Gesprächsführung und auch Verkehrsrecht. Zudem gilt es, die Prüfung zu bestehen.

Für die Polizeihelferinnen und -helfer gibt es sieben Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde. Die maximale Zahl der Einsatzstunden liegt bei 25 im Monat.

Interessentinnen und Interessenten können sich beim Magistrat der Kreisstadt Groß-Gerau, Amt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Am Marktplatz 1, 64521 Groß-Gerau, Telefon 06152-7163000, E-Mail sicherheitundordnung@gross-gerau.de) melden. Der Bewerbungsbogen findet sich unter diesem Link.