Stadtbrandinspektor Michael Scharper geht
Rund 17 Jahre stand Michael Scharper (57) bei der Freiwilligen Feuerwehr Groß-Gerau in der obersten Führungsverantwortung. Erst als stellvertretender Stadtbrandinspektor, dann seit Ende 2020 als Stadtbrandinspektor. Jetzt ist damit Schluss: Zum 1. Juli 2026 hat Lucas Hartmann das Amt übernommen, nachdem Scharper nicht noch einmal angetreten war.
Die Feuerwehr und Michael Scharper: das gehört seit Jahrzehnten zusammen. 1980 startete er seine „Feuerwehrkarriere“ in der kurz zuvor gegründeten Jugendfeuerwehr in Wallerstädten. 1986 folgte der Wechsel in die Einsatzabteilung. Nachdem er mit den Eltern und Schwester Petra Anfang der neunziger Jahre nach Riedstadt gezogen war und der dortigen Feuerwehr beitrat, wurde er 1994 Wehrführer in Goddelau.
2001 kehrte er in die Kreisstadt zurück, zunächst als „ganz normaler Feuerwehrmann“, wie er sagt. Dabei blieb es allerdings nicht lange. 2003 wurde er Gruppen-, ein Jahr später Zugführer. Im Jahr 2009 kandidierte er als stellvertretender Stadtbrandinspektor. In den folgenden Jahren arbeitete er mit den Stadtbrandinspektoren Andreas Möstl, Benny Surmann und Felix Spilger zusammen. Im Corona-Jahr 2020 ernannte ihn der damalige Bürgermeister Erhard Walther zum Stadtbrandinspektor, im Oktober 2021 wurde Scharper an die Spitze der Wehr gewählt. Mit dem heutigen Bürgermeister Jörg Rüddenklau arbeitete er bereits in dessen Zeit als Wehrführer der Einsatzabteilung Groß-Gerau (2014 bis 2024) zusammen.
Seine Motivation: Schutz der Bevölkerung sicherstellen
Seine Motivation: die Feuerwehr gemeinsam mit dem Team voranzubringen und den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Feuerwehr kenne er gut, sagt er von sich. „Wie ich es gemacht habe, müssen andere beurteilen.“ Scharper ist einer, der nicht lange um den heißen Brei rumredet. Probleme spricht der IT-Fachmann direkt an, wobei für ihn immer die Sache im Mittelpunkt steht.
Der Stadtbrandinspektor führt die Feuerwehr, trägt Verantwortung für die Einsatzbereitschaft, verwaltet die Einsatzpläne, kümmert sich im Zusammenspiel mit der Verwaltung um Fahrzeug- und Gerätebeschaffung und das Erstellen von Konzepten. Mit Felix Spilger gibt es hierfür auch eine hauptamtliche Kraft. „Das ist eine große Entlastung. Rein ehrenamtlich wäre das gar nicht zu schaffen“, erzählt Scharper.
Ohne stetige Fortbildung geht es nicht
Wer Stadtbrandinspektor sein will, muss eine ganze Reihe von Lehrgängen absolvieren, sowohl auf Kreisebene als auch an der Landesfeuerwehrschule in Kassel. Führungslehrgänge bis zum Verbandsführer, Lehrgänge in technischer Hilfeleistung, vorbeugendem Brandschutz und zu Gefahrstoffen gehören dazu. Alles in allem sind dies Lehrgänge mit einer Dauer von 16 bis 18 Wochen.
„Man muss sich immer fortbilden, stets auf dem Laufenden bleiben“, betont Scharper. In sein Ehrenamt hat er pro Woche zehn bis 15 Stunden investiert, Lehrgänge nicht mitgerechnet.
Nachlassendes Engagement bereitet Sorge
Mit Sorge beobachtet Scharper, dass in der Bevölkerung die Bereitschaft nachlässt, sich in der Feuerwehr zu engagieren. Mit rund 160 Einsatzkräften bewegen sich die vier Abteilungen Groß-Gerau, Dornheim, Wallerstädten und Berkach am unteren Rand. Setzt sich der Trend fort, ist die Einsatzstärke gefährdet. Auch deshalb wirbt die Wehr derzeit massiv um aktive Mitglieder.
Früher hätten Feuerwehren und THW davon profitiert, dass man den Wehrdienst umgehen konnte, wenn man sich langfristig bei einer Hilfsorganisation verpflichtete. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht sei es schwieriger geworden, Einsatzkräfte zu rekrutieren.
Zugenommen habe der bürokratische Aufwand, von der Dokumentation bis zur Prüfung von Materialien und Fahrzeugen, berichtet Scharper.
Weniger Debatten durch Bedarfs- und Entwicklungsplan
Der Stadtbrandinspektor sei für alle vier Einsatzabteilungen zuständig, nehme an Sitzungen teil (beispielsweise der Brandschutzkommission), tausche sich regelmäßig mit dem Bürgermeister aus und liefere Input für den Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehr. Dass es diesen Plan gibt und nicht mehr jede Anschaffung einzeln diskutiert werde, sei ein Segen. Nur den Kopf schütteln könne er, wenn er irgendwo lese, dass die Feuerwehr ein neues Spielzeug bekommen habe. „Es geht hier um den Schutz von Menschen.“
Eines dürfe man nicht vergessen: Die Feuerwehr sei kein Verein, sondern eine Pflichtaufgabe der Kommune. „Das ist längst noch nicht in allen Köpfen drin“, so Scharper. Es gebe bereits Beispiele von Kommunen, die Einwohner zum Feuerwehrdienst verpflichtet hätten. Im Schnitt gibt es in der Stadt Groß-Gerau fast einen Einsatz pro Tag.
Neubau des Stützpunkts war ein Meilenstein
Zu den großen Veränderungen in den vergangenen 17 Jahren gehörten der Kauf neuer Brandschutzkleidung und verschiedener Fahrzeuge, die Umrüstung auf Überdruckgeräte im Atemschutzbereich, Sanierung und Umbau des Feuerwehrhauses in Wallerstädten, vor allem aber Planung und Neubau des 2013 bezogenen Stützpunkts am Nordring. Der Stützpunkt sieht zwar groß aus, ist inzwischen aber dennoch zu klein. Mittelfristig wird eine Erweiterung nötig sein.
Das gehört in Zukunft nicht mehr zu Michael Scharpers Aufgaben. Die Feuerwehr will er gleichwohl weiter unterstützen, etwa mit seiner Expertise im IT-Bereich. Die gewonnene Freizeit möchte er dazu nutzen, wieder mehr Sport zu treiben. Außerdem wandert und reist er gerne, unternimmt an Wochenenden häufiger mal einen Kurztrip.
Von der Feuerwehr lassen wird Scharper auf keinen Fall – doch nicht mehr in der vordersten Reihe Verantwortung zu tragen, klingt für ihn auch ganz gut. Schließlich hat er das lange genug getan.