Throwback Thursday
In unserer Reihe "Throwback Thursday" blicken wir auf unseren Social-Media-Kanälen zurück in die Groß-Gerauer Stadtgeschichte. Spannende Beiträge dieser Reihe haben wir hier aufbereitet.
Städtische Badeanstalt in den 1930er Jahren
Die städtische Badeanstalt befand sich seinerzeit noch an der Tuchbleiche, in etwa dort, wo heute die Jakob-Urban-Straße den Mühlbach kreuzt. Zuvor gab es in etwa an dieser Stelle die privat betriebene Seilersche Schwimmanlage, für die in erster Linie eine Ausbuchtung des Mühlbachs genutzt wurde.
Das erste städtische Freibad öffnete nach viermonatiger Bauzeit am 30. Juni 1902. Entstanden war ein 10 x 30 Meter großes Schwimmbecken, das von 80 auf 170 Zentimeter Tiefe abfiel. Da es direkt aus dem Mühlbach gespeist wurde, dürfte die Wasserqualität leidlich gewesen sein.
Rund sieben Jahre nach dem Schwimmfest mit dem Wasserballett wurde dann am 30. Mai 1937 das neue, vom Architekten Adolf Gehbauer entworfene Freibad an der heutigen Theodor-Heuss-Straße in Betrieb genommen.
Wasserturm
Gut zu erkennen sind die Gebäude der Beruflichen Schulen, rechts neben dem Wasserturm ist ein Tennisplatz von Rot-Weiß Groß-Gerau zu sehen. Der Tennisclub zog 1982 an seinen heutigen Standort an der Dornberger Pforte um.
Das Sportgelände des VfR Groß-Gerau verfügt noch über keine Tribüne. Sie wurde vor Beginn der ersten Hessenliga-Saison 1972/73 fertiggestellt und bot 800 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Von 1972 bis 1979 gehörte der VfR der seinerzeit dritthöchsten Spielklasse an.
Auf der Schudtwies lässt sich der Frühlingsmarkt erahnen. Das Areal diente vor dem Bau der 1984 eröffneten Kreissporthalle auch als Festplatz und Standort für Gastspiele renommierter Zirkusbetriebe.
Europatage 1973
Links ist das Schild von Radio Gimbel zu erkennen, dahinter die Filiale des Lebensmittelhändlers Kaisers. Das an den Sandböhl angrenzende Wohn- und Geschäftshaus existiert heute nicht mehr; es wurde durch einen Neubau ersetzt, für den 1988 die Baugenehmigung erteilt wurde.
Auf der anderen Seite des Sandböhls steht ein nach dem Zweiten Weltkrieg errichtetes markantes Gebäude in Stahlskelett-Bauweise mit geschwungener Form zur Platzseite hin. 1954 vom Lebensmittelmarkt Schade & Füllgrabe eröffnet, beherbergte es später die Drogerie „Ihr Platz“ und den Herrenausstatter Löffelholz. Seit 2012 gehört die Ladenfläche im Erdgeschoss zum Kaufhaus Braun, beherbergt das Wäschegeschäft „Hautnah”.
Groß-Gerau hatte sich am 11. Juli 1959 mit Brignoles (Frankreich), Bruneck (Italien) und Tielt (Belgien) in einer Ringpartnerschaft zusammengeschlossen. Später kam das polnische Szamotuły dazu.
Die Europatage wurden im Wechsel zwischen den Städten ausgerichtet. 1961 war Groß-Gerau erstmals Gastgeber, es gab eine große Ausstellung von Handwerk, Handel, Industrie und Landwirtschaft. Anfangs war jede Kommune alle vier Jahre Gastgeber, danach alle fünf.
Inzwischen sind die Abstände größer geworden. Die Kreisstadt Groß-Gerau war 2017 letztmals Ausrichter.
Siedlung Springberg
Sofort ins Auge fällt der Glockenturm (Campanile) der Nordkirche, die ursprünglich einmal als Autobahnkirche konzipiert war. Die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgte am 20. Februar 1962, geweiht wurde die Kirche 1966. Sie spielte mit ihrem Gemeindezentrum für die Nord-Siedlung eine wichtige Rolle. Hier wurden Discos veranstaltet, Musikgruppen probten, die Theatergruppe „Gerer Nordlichter“ führte ihre Stücke auf.
2016 wurde die Kirche entweiht und in den folgenden Jahren in das heute bestehende Diakoniezentrum umgebaut. Dabei blieb das markante Betonrelief, das die Geschichte von Jonas und dem Wal erzählt, erhalten.
Am 8. Oktober 1965 wurde am Springberg die Nordschule eröffnet. Ihr Bau trug dem Bevölkerungswachstum Rechnung. Die Ursprünge der Nord-Siedlung liegen in der in den dreißiger Jahren begründeten Heimstätten-Siedlung. Ein wahrhaft einschneidendes Ereignis für Groß-Geraus Norden war der 1961 bis 1964 erfolgte Bau der Autobahn, der große Teile der Siedlung von der Kernstadt trennte. Der Springberg liegt auf der der Stadt zugewandten Seite.
Konservenfabrik Helvetia
Die Helvetia zählte einst zu den größten Konservenfabriken Europas. Als sie den Betrieb aufnahm, besaß sie eine eigene Stromversorgung. Ab 1912 bestand ein Gleisanschluss zum nahen Bahnhof Groß-Gerau, das Unternehmen verfügte zudem über eine Werksfeuerwehr.
Im Jahr 1927 waren in der Fabrik rund 900 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt, die in jenem Jahr 3000 Tonnen Gurken, 800 Tonnen Bohnen, 500 Tonnen Erbsen, 250 Tonnen Karotten, 750 Tonnen Äpfel, 500 Tonnen Zwetschgen, 250 Tonnen Erdbeeren und viele weitere Früchte verarbeiteten. Die eigene Blechverarbeitungswerkstätte konnte täglich bis zu 50.000 Konservendosen herstellen.
In der kollektiven Erinnerung vieler Groß-Gerauer sind die „Klagemauer” und das „Kusswäldchen” geblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten zahlreiche junge Frauen aus Südeuropa – etwa aus Italien und Spanien – in der Fabrik. Viele Burschen aus Groß-Gerau versuchten anzubandeln. Wenn man sich dann nach einem gemeinsamen Tag oder Abend wieder trennen musste, wurde an der Fabrikmauer geklagt.
Anfang der siebziger Jahre arbeiteten noch 420 Menschen bei der Helvetia. Das Aus kam mit der Insolvenz 1973. Der fast 90 Meter hohe Hero-Schornstein, der einst zu den Wahrzeichen Groß-Geraus gehörte, wurde nach der Insolvenz zunächst auf 41 Meter gekürzt, ehe er 1983 gesprengt wurde. Heute stehen auf dem früheren Fabrikgelände, das sich zwischen der 1957 geweihten katholischen Kirche St. Walburga und der ebenfalls nicht mehr existenten Zuckerfabrik befand, vor allem Wohnhäuser.
Die Martin-Buber-Schule
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück ins Jahr 1972. Die Aufnahme zeigt die heutige Martin-Buber-Schule, deren Gebäude am 22. September 1972 vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald (SPD) eingeweiht wurde.
An den Start ging sie 1972 übrigens noch als Hauptschule mit Förderstufe. Zum Schuljahr 1974/75 wurde sie in die Integrierte Gesamtschule (IGS) Groß-Gerau umgewandelt. Gewissermaßen als Vater der Integrierten Gesamtschulen im Kreis Groß-Gerau gilt der frühere Erste Kreisbeigeordnete Dr. Franz Skala (1921 bis 2003). Er setzte sich vehement für eine Schule ein, in der alle gemeinsam lernen und die traditionelle Trennung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium aufgehoben ist.
Da die Schule rasch wuchs, wurde bereits zum 1. August 1975 auf der anderen Straßenseite eine Dependance in den Räumen der früheren Prälat-Diehl-Schule (heute Luise-Büchner- und Astrid-Lindgren-Schule) eröffnet. Fortan gab es einen Schulteil West und Ost.
Im Schuljahr 1978/79 wurde die IGS von 2670 Schülerinnen und Schülern besucht. Zum Beginn des Schuljahrs 1979/80 erfolgte daher die Trennung der beiden Schulteile, die IGS Ost wurde zur eigenständigen Schule. 1982 erhielt die „IGS-West“ den Namen „Martin-Buber-Schule“. Die „IGS-Ost“ wurde in „Carl-von-Ossietzky-Schule“ umbenannt. Im Jahr 1995 folgte aufgrund rückläufiger Schülerzahlen die Auflösung der „Carl-von-Ossietzky-Schule“.
Gründungsschulleiterin der heutigen Martin-Buber-Schule war Ingeborg Hempel, die die Schule aufbaute und von 1972 bis 1983 leitete. Auf sie folgten Hans-Peter Kirsten-Schmidt (1983 bis 2004), Heiner Friedrich (2004 bis 2012) und Philipp Stannarius (2012 bis 2022). Seit 2022 leitet Ingo Neumann die Martin-Buber-Schule, die aktuell von knapp 1200 Schülerinnen und Schülern besucht wird.
Feuerwehrstützpunkt in der St. Florian-Straße
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal exakt ein halbes Jahrhundert zurück ins Jahr 1976. Die Aufnahme zeigt den damals neuen Feuerwehrstützpunkt in der St. Florian-Straße mit einer ganzen Reihe an Fahrzeugen. Das neue Domizil der Groß-Gerauer Feuerwehr war am 22. Mai 1976 offiziell eingeweiht worden.
Der rund 3,82 Millionen D-Mark teure Bau verfügte über zwölf Stellplätze und eine Atemschutzstrecke. Der Landeszuschuss betrug 1,723 Millionen D-Mark, der Kreis steuerte 522.000 D-Mark bei. Über der Fahrzeughalle ragt der Schlauchturm in die Höhe.
Zuvor war die Feuerwehr seit 1929 mitten in der Innenstadt in beengten Verhältnissen auf dem Gelände des alten Stadthauses, das heute die Stadtwerke beherbergt, beheimatet. Noch früher waren die Löschgeräte im Gebäudekomplex des Historischen Rathauses untergebracht.
Bereits Mitte der sechziger Jahre waren Überlegungen für einen Neubau angestellt worden. Die Grundsteinlegung erfolgte im Spätherbst 1974 unter Bürgermeister Karl Martin (SPD). Eröffnen durfte den Neubau dann Martins Nachfolger Ingo Endrick Lankau (SPD), der sein Amt am 1. März 1976 angetreten hatte.
Ein Blick auf die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Groß-Gerau im Jahr 1976 zeigt, wie viel kleiner als heute sie noch waren. Auch der Stützpunkt in der St. Florian-Straße wurde im Lauf der Jahre zu klein. Ende 2013 zog die Feuerwehr in den rund elf Millionen Euro teuren Neubau am Nordring um.
Die „Alte Feuerwehr“ in der St. Florian-Straße wurde dann von der GFP Projektmanagement GmbH in einen Gewerbepark umgewandelt. Heute befinden sich dort unter anderem ein Werkzeuggeschäft, ein Fitnessstudio, eine Praxis für Physiotherapie und die Grisu-Eventgastronomie.
Groß-Gerauer Wochenmarkt 1975
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück ins Jahr 1975: Die Aufnahme zeigt den Wochenmarkt, der in Groß-Gerau immer mittwochs und samstags (jeweils 7 bis 12:30 uhr) ausgerichtet wird. Unter den Schirmen haben die Marktbeschickerinnen und -beschicker ihre Waren ausgebreitet. Das Angebot gleicht dem heutigen: Neben landwirtschaftlichen Produkten werden beispielsweise Blumen und Bekleidung verkauft.
Rechts von den Platanen befand sich die Bundesstraße 44, daneben die von den Groß-Gerauerinnen und Groß-Gerauern liebevoll „Gummibahnhof“ getaufte Busstation mit dem „Stadtbrunnen“ (Kiosk und Gaststätte der Familie Merkelbach).
Im Hintergrund ist das alte Gebäude der Kreissparkasse Groß-Gerau zu erkennen, mit dessen Abbruch im Juli 1975 begonnen wurde. Für rund 14 Millionen D-Mark ließ die Kreissparkasse in zwei Bauabschnitten einen Neubau errichten, der mittlerweile ebenfalls schon wieder umgestaltet wurde.
An der Fassade zum Marktplatz hin befinden sich die „Vier Worfelder“, die Handel, Industrie, Landwirtschaft und Handwerk darstellen. Sie wurden mit großer Sorgfalt abgenommen und zierten dann über viele Jahre hinweg einen Brunnen im Bereich von Darmstädter Straße und Friedrich-Ebert-Anlage. Heute haben sie ihren Platz an der Sparkassen-Fassade in Richtung der Friedrich-Ebert-Anlage.
Die Marktrechte Groß-Geraus gehen auf die Erhebung zur Stadt unter König Wenzel am 21. Januar 1398 zurück. Mit der Stadterhebung einher ging das Recht, am 3. Mai eines jeden Jahres einen freien Jahrmarkt abzuhalten. Hinzu kam ein Wochenmarkt, der mittwochs abgehalten werden sollte.
Zuckerfabrik
Die im Fotoarchiv des Stadtmuseums auf das Jahr 1969 datierte Luftaufnahme zeigt die Groß-Gerauer Zuckerfabrik. Gut zu erkennen sind eines der großen Silos und der Gleisanschluss der Fabrik.
Gegründet wurde die Zuckerfabrik 1883 vom Rübenzuckerfachmann August Bergsträßer und dem Landwirt Anton Schudt vom Rheinfelder Hof. Groß-Gerau wurde als Standort gewählt, da sich dort ein Eisenbahnknotenpunkt, ein gutes Straßennetz sowie günstige Wasserverhältnisse befanden. Die Baukosten betrugen knapp 800.000 Mark.
In ihrer ersten Kampagne 1884 verarbeitete die Fabrik 32.500 Tonnen Zuckerrüben.
Zu ihren Spitzenzeiten zählte die „Zuckrisch“ rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, während der Kampagne kamen bis zu 500 weitere dazu. Mehr als 800.000 Tonnen Rüben wurden pro Jahr in Groß-Gerau zu Feinzucker, Würfelzucker, Kandis und Hagelzucker.
In der Kampagne legte sich über die Kreisstadt ein süßlicher Geruch von karamellisiertem Zucker. Was Auswärtige oft als Gestank empfanden, war für viele ein Stück Heimat. Die Bedeutung der Fabrik veranschaulicht ein Spruch, der früher häufig zu hören war: „Wenn die Zuckerisch stinkt, kimmt Geld in die Kass.“ Und hinter Traktoren mit Anhängern voller Rüben herzuzuckeln, bedeutete ein Stück Entschleunigung.
Heute ist von alledem nichts mehr vorhanden. Die Reform der Zuckermarktordnung in der Europäischen Union führte zum Aus. Die Südzucker AG, zu der das Werk seit 1926 gehörte, schloss die Produktionsstätte. 2007 fuhr die Fabrik ihre letzte Kampagne.
Förderbänder, Waschanlagen, Silos, das Kesselhaus, Brühtröge, die Pelletstation – sie alle wurden dem Erdboden gleichgemacht. Und am 20. Juni 2009 sackte auch der rund 60 Meter hohe und 800 Tonnen schwere Kamin nach der Sprengung in etwa 30 Sekunden in sich zusammen. Unvergessen ist auch der Silobrand, der im November 1999 rund 750 Feuerwehrleute gut zwei Wochen in Atem hielt.
Einst nahm die Fabrik eine Fläche von 27 Hektar ein. Heute befinden sich dort ein Gewerbe- und Logistikpark, eine kleine Parkfläche und das Wohngebiet „Am Zuckerwerk“.
Hegbach- beziehungsweise Niederwaldsee
Die im Fotoarchiv des Stadtmuseums auf das Jahr 1972 datierte Luftaufnahme zeigt den Hegbach- beziehungsweise Niederwaldsee. Im Vordergrund ist der Campingplatz auf Groß-Gerauer Seite zu sehen.
Bei dem See handelt es sich um kein natürliches Gewässer. Entstanden ist er zwischen 1962 und 1964 beim Bau eines neuen Teilstücks der Autobahn 67. Aufgrund zahlreicher Brückenbauwerke war die 12,5 Kilometer lange Strecke vom Autobahndreieck Mönchhof bis Groß-Gerau seinerzeit der teuerste Autobahnabschnitt der Bundesrepublik Deutschland.
Der etwa zwölf Hektar große See liegt auf Nauheimer und Groß-Gerauer Gemarkung. In Nauheim hieß er Hegbachsee, in Groß-Gerau Niederwaldsee. Erst 1987 einigten sich die Bürgermeister Rudolf Zaich (Nauheim) und Manfred Hohl (Groß-Gerau) auf den gemeinsamen Namen Hegbachsee. Im Jahr darauf wurden auch die Stacheldrahtsperren entfernt, die es zuvor nicht möglich gemacht hatten, den See zu umrunden.
Von Anfang an war der See ein beliebtes Naherholungsgebiet, auch wenn das Dröhnen der nahen Autobahn nicht zu überhören ist. Nachdem 1978 Salmonellen und coliforme Bakterien in gesundheitsgefährdender Konzentration im Wasser nachgewiesen wurden, erfolgte die Sperrung des Sees für den Badebetrieb. Dieses Verbot gilt bis heute.
Stattdessen lädt der See zu Spaziergängen mit Blick aufs Wasser ein. Mehrere Gastronomiebetriebe bietet Gelegenheit zur Einkehr, auf der Nauheimer Seite gibt es ein Kleinschwimmbecken und eine Kinderdampfeisenbahn, die wochenends und an Feiertagen fährt. Auf Groß-Gerauer Seite befindet sich die Event-Location „Villa am See“, die früher als Discothek „Tusculum“ bekannt war.
Johannes-Angelus-Schule
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück ins Jahr 1963. Die Aufnahme zeigt im Vordergrund die Johannes-Angelus-Schule mit dem seinerzeit noch großen Sportplatz. Die an den Sportplatz angrenzenden Pavillons gehören zum Jugendzentrum Anne Frank. Gut auszumachen ist auch die Stadtkirche.
Mit dem Bau der als Volksschule (Haupt- und Realschule) konzipierten Johannes-Angelus-Schule war am 29. September 1951 an der Ecke Hermann-Löns- und Karl-Liebknecht-Straße (heute Berliner Straße) begonnen worden. Obwohl beim Bau Schwierigkeiten auftraten und die Decken Risse aufwiesen, die sich allerdings nicht auf die Tragfähigkeit auswirkten, konnte die Schule am 14. April 1954 in Betrieb gehen.
Schulträger war seinerzeit noch die Stadt Groß-Gerau. Am 13. März 1953 hatte das Stadtparlament beschlossen, die Schule nach Johannes Angelus (1542 bis 1608), dem Begründer des hessischen Volksschulwesens, zu benennen.
Bereits am 10. September1956 wurde der Grundstein zum zweiten Bauabschnitt gelegt, weil von 30 Klassen insgesamt 16 über keinen eigenen Schulsaal verfügten. Über die ganze Stadt verteilten Säle wurden seinerzeit als Unterrichtsstätten genutzt.
Ein allzu langes Bestehen war der Angelus-Schule nicht beschieden. Der Kreis, der inzwischen die Schulträgerschaft übernommen hatte, setzte auf Integrierte Gesamtschulen (IGS). Zum 31. Juli 1977 bestimmte das Hessische Kultusministerium die Aufhebung der Johannes-Angelus-Schule.
Seit 1975 wurden Räume in der Angelus-Schule von der IGS II (IGS Ost) genutzt, ehe die IGS Ost (später Carl-von-Ossietzky-Schule) 1979 ins alte Gebäude der Prälat-Diehl-Schule an der Jahnstraße einzog.
Die frühere Johannes-Angelus-Schule wiederum beherbergt seit 1979 die Mittelstufe des Prälat-Diehl-Gymnasiums, die ebenfalls schon wieder Erweiterungen erfuhr.
Aldi-Markt in der Innenstadt
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück ins Jahr 1976. Die Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Stadtmuseums zeigt den Aldi-Markt, der damals noch am Marktplatz beheimatet war. Auch der Marktbrunnen von 1595 ist zu sehen, der dort seit 1947 seinen Platz hat. Das Auto im Vordergrund fährt auf der B 44, die seinerzeit noch mitten durch die Stadt führte.
Mit dem Bau des Geschäftsgebäudes war 1973 begonnen worden, 1974 zog Aldi ein. Für den Neubau hatte das landwirtschaftliche Anwesen Jakobi weichen müssen. Ein zeitgenössischer Kritiker attestierte dem Bau, „in seiner architektonischen Einfallslosigkeit ein barbarischer Ersatz für das alte Bauernhaus“ zu sein, das vorher dort stand. Gemessen „an der anderenorts geübten Rechte der Bebauungsvorschrift“ sei die Genehmigung dieses Gebäudes am Marktplatz „zumindest verwunderlich“.
Dornberger Bahnhof
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück ins Jahr 1969. Die Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Stadtmuseums zeigt den Dornberger Bahnhof. Typisch für die sechziger Jahre sind die beiden Exemplare des VW Käfer, der auch im „Opel-Land“ Kreis Groß-Gerau weit verbreitet war.
Im Gegensatz zu heute war der Bahnhof seinerzeit mit Personal besetzt, es gab – wie auch in Groß-Gerau und Dornheim – einen Bahnhofsvorsteher, Fahrkarten wurden ebenfalls am Schalter verkauft. Eine Bahnhofsgaststätte gehörte in Dornberg ebenfalls dazu.
Die anfangs eingleisige Strecke von Frankfurt nach Mannheim war am 20. September 1880 offiziell eröffnet worden, doch war sie schon ab dem 24. November 1879 so weit wie möglich in Benutzung.
In Groß-Gerau entstand an der neuen Linie früh ein Bahnhof. Im Groß-Gerauer Kreisblatt findet sich eine auf den 8. September 1877 datierte Ausschreibung der Hessischen Ludwigsbahn für den Bau eines Stationsgebäudes, die Kosten wurden auf knapp 20.000 Reichsmark geschätzt. Das Bahnhofsgebäude selbst sieht – abgesehen von einem späteren Anbau – noch mehr oder weniger so aus wie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Heute befindet es sich in Privatbesitz.
Bis 1933 trug der Bahnhof die Bezeichnung „Dornberg – Groß Gerau“ (der fehlende Bindestrich geht auf die preußischen Rechtschreibregeln zurück), am 1. Mai 1933 wurde er in „Groß Gerau – Dornberg“ umbenannt.
Seit jeher sorgte die Lage außerhalb der Stadt für Diskussionen. Als sich einmal ein Gast in der „Krone“ beschwerte, weshalb der Bahnhof so weit von der Stadt entfernt liege, soll der für seinen trockenen Humor bekannte einstige Dornberger Bürgermeister Jakob Hess geantwortet haben: „Ich nehm’ an, dass der Bahnhof an der Bahnlinie liegen sollte.“
Das »Kapellsche«
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal um das „Kapellsche“. Die Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Stadtmuseums ist auf das Jahr 1970 datiert, der Fotograf stand am Mühlbach im Bereich des Anlagenrings zwischen Adolf-Göbel- und August-Bebel-Straße.
Das „Kapellsche“, wie es im Volksmund liebevoll genannt wurde, diente der evangelischen Gemeinde Groß-Geraus nach dem Zweiten Weltkrieg als Notkirche. Das mächtige, in seinen ältesten Teilen gotische Gotteshaus auf dem Kirchhügel war beim Bombenangriff auf Groß-Gerau in der Nacht vom 25. auf den 26. August 1944 schwer beschädigt worden. Erst 1955 war der Wiederaufbau abgeschlossen. Maßgeblich zu verdanken war er dem Kirchenbauverein um den Fabrikanten Otto Faulstroh (Fagro).
Als Übergangsquartier diente das zum „Kapellsche“ umfunktionierte Gemeindehaus, das 1935/36 an Stelle der alten Pfarrscheune im Garten des Pfarrhauses an der Helwigstraße errichtet worden war. Am 24. Dezember 1945 hielt Pfarrer Schulze nach einer Umgestaltung erstmals einen Gottesdienst darin. Das „Kapellsche“ wurde 1948 erweitert, auch ein kleiner Glockenturm kam noch dazu. Die am 18. September 1949 geweihte Glocke hatte die mit Faulstrohs befreundete Familie Herrlinger aus Cincinnatti (Ohio/USA) gestiftet.
Anfang der sechziger Jahre entstand das im Frühjahr 1962 eröffnete neue Gemeindehaus, das mit dem „Kapellsche“ verbunden wurde.
Sowohl das Gemeindehaus als auch das „Kapellsche“ existieren heute nicht mehr. Im September 2011 rückten die Bagger an, um mit dem Abriss zu beginnen. Auf dem Gelände an der Ecke August-Bebel-Straße/An der Kapelle steht heute ein Haus der Nieder-Ramstädter Diakonie, das Betreutes Wohnen für Menschen mit Handicap anbietet.
Ein Stück des „Kapellsches“ aber ist bewahrt worden: Das bleigefasste, runde Giebelfenster hat seinen Platz an der Nordseite des 2007 fertiggestellten evangelischen Gemeindehauses auf dem Kirchhügel gefunden.
Die Faulstrohhäuser in der Siedlung
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück in die fünfziger Jahre. Die Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Stadtmuseums ist auf das Jahr 1954 datiert und zeigt die sogenannten „Faulstroh-Häuser“ in der Frankfurter Straße, die mit Unterstützung des Groß-Gerauer Unternehmens Anfang der fünfziger Jahre für Mitarbeitende gebaut wurden. Aus der Nord-Siedlung war der Weg zum Faulstroh-Werk vergleichsweise kurz. Anfang der Fünfziger gab es auch die zwischen 1962 und 1964 entstandene Autobahn noch nicht, die die Siedlung von der Kernstadt abtrennte.
Die Firmengeschichte der späteren Fagro beginnt 1893. Damals eröffnete Jakob Faulstroh in der Hospitalstraße (heute Adolf-Göbel-Straße) eine Bau- und Kunstschlosserei, die sich bald zur florierenden Fabrik entwickelte. Das Werk in Groß-Gerau lieferte ab 1924 Teile für den Opel Laubfrosch, die legendäre grüne Handschubkarre „Gerer Fips“ findet sich noch heute in vielen Haushalten.
1962 erreicht die Jakob Faulstroh KG mit 1200 Beschäftigten den höchsten Mitarbeiterstand ihrer Geschichte. 1975 wird sie in eine GmbH umgewandelt, trägt von da an den Namen Fagro Press- und Stanzwerk GmbH. 1982 scheidet die Gründerfamilie aus dem Unternehmen aus.
Ab den neunziger Jahren gerät das Unternehmen immer wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten, 2005 ist dann ganz Schluss. Das Werk I auf der Stadtseite wurde 2010 abgerissen, heute steht dort an seiner Stelle die Oberstufe des Prälat-Diehl-Gymnasiums.
Die Nord-Siedlung (Heimstättensiedlung) geht auf das Reichsheimstättengesetz von 1920 zurück, das auch weniger begüterten Familien ein Eigenheim verschaffen sollte. Die Nationalsozialisten machten sich das Konzept zu eigen, 1934 erfolgte ein Aufruf an Arbeiter, Beamte und Angestellte mit etwas Eigenkapital, sich zu melden. 1935 wurden die ersten 16 Häuser durch die Nassauische Heimstätte errichtet – elf Am Hammelsberg und fünf Im Friedrichsee.Bis zum Zweiten Weltkrieg folgten weitere Gebäude Im Ankenrod, Am Hospitalstück und Im Friedrichsee.
Das alte Viadukt am Dornberger Bahnhof
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal in die Nähe des Dornberger Bahnhofs. Die Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Stadtmuseums dürfte aus den siebziger Jahren stammen und zeigt das alte Viadukt am Dornberger Bahnhof.
Groß-Gerau ist seit November 1879 an die Bahnlinie angeschlossen, die Frankfurt und Mannheim verbindet. In den Anfangsjahren gab es am Dornberger Bahnhof nur einen schienengleichen Bahnübergang. 1897 suchten die Stadt Groß-Gerau und die Gemeinde Klein-Gerau bei der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion um eine „Überbrückung“ der Bahnlinie nach. Wohl aus Kostengründen wurde davon Abstand genommen.
1904 begannen die Planungen für eine Unterführung, die Bahnlinie war inzwischen zweigleisig ausgebaut. Der Legende nach soll der Großherzog Ernst Ludwig dazu den Anstoß gegeben haben, weil er auf dem Weg von Darmstadt zu seinen Jagdgebieten im Wildpark und der Groß-Gerauer Fasanerie mehrmals länger an der Schranke warten musste.
Das alte Viadukt hatte eine lichte Höhe von 3,70 Meter, lief bei starken Regenfällen aber immer wieder voll. Jugendliche und Arbeitslose verdienten sich mit dem „Wasserrücken“ von Fahrzeugen und Autos ein Zubrot.
In den 50er-Jahren wurde die Unterführung vertieft, stand aber nah am Grundwasser. Bei starkem Regen waren die extra eingebauten Pumpen überfordert. Zuletzt war das alte Viadukt für Fahrzeuge mit einer Höhe von 3,80 Meter freigegeben. Um zu verhindern, dass sich Lkw festfuhren, wurden auf beiden Seiten Rammportale aus Stahlträgern errichtet.
Das alte Viadukt am Gambrinus war ein echtes Nadelöhr. Immer wieder bildeten sich dort lange Schlangen, immer wieder fuhren sich Laster auch an den Rammportalen fest.
Von 1994 bis 1996 wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau der ICE-Strecke für 19 Millionen D-Mark die neue Unterführung gebaut, finanziert wurde sie größtenteils von Bahn und Bund. Wo früher das alte Viadukt seinen Platz hatte, befindet sich heute ein Parkplatz.
Fasanerie
Beim Throwback-Thursday geht es diesmal zurück in die frühen sechziger Jahre. Die Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Stadtmuseums zeigt die Fasanerie.
Das heutige Groß-Gerauer Naherholungsgebiet ist in den Jahren 1722 bis 1726 als Jagdrevier der Landgrafen von Hessen-Darmstadt entstanden. Beim Bau der Mauer wurden übrigens Steine des Dornberger Schlosses verwendet, das französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg bei ihrem Abzug am 14. Februar 1689 in Brand gesteckt hatten – eine frühe Form des Baustoffrecyclings.
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war die Fasanerie dem Adel vorbehalten, die normale Bevölkerung hatte keinen Zutritt. Zu den Gästen der Landgrafen und späteren Großherzöge von Hessen-Darmstadt, die die Fasanerie besuchten, gehörten der bulgarische Zar und Mitglieder der russischen Zarenfamilie.
Das Dornberger Schloss ist auf dem Bild rechts neben dem Haupteingang zur Fasanerie zu erkennen. In der linken unteren Ecke sind Teile des Tiergartens gut auszumachen, der am 10. Juli 1955 der Öffentlichkeit übergeben worden war.
Der heutige Stadtteil Auf Esch existierte zum Zeitpunkt der Luftaufnahme noch nicht, die Fasanerie war seinerzeit noch von freiem Feld umgeben. Die Bebauung entstand erst ab Mitte der sechziger Jahre. Nördlich an die Fasanerie grenzen heute zwei Hochhäuser an, die Anfang der siebziger Jahre errichtet wurden. Auch die Zentrale Sportanlage gab es damals noch nicht, sie wurde unter Bürgermeister Ingo Endrick Lankau (SPD/1976 – 1983) errichtet.
Der „März-Knoten“ am Kreuzungspunkt mehrere Straßen ist von seiner heutigen Gestalt weit entfernt, das Gewerbegebiet Odenwaldstraße entsteht ebenfalls erst später.
Nördlich des „März-Knotens“ sind das Sportgelände des VfR und das Groß-Gerauer Freibad zu sehen. Die Gernsheimer Straße führt in nördlicher Richtung bis zum Marktplatz mit dem Stadthaus.