Throwback Thursday
In unserer Reihe "Throwback Thursday" blicken wir auf unseren Social-Media-Kanälen zurück in die Groß-Gerauer Stadtgeschichte. Spannende Beiträge dieser Reihe haben wir hier aufbereitet.
Städtische Badeanstalt in den 1930er Jahren
Die städtische Badeanstalt befand sich seinerzeit noch an der Tuchbleiche, in etwa dort, wo heute die Jakob-Urban-Straße den Mühlbach kreuzt. Zuvor gab es in etwa an dieser Stelle die privat betriebene Seilersche Schwimmanlage, für die in erster Linie eine Ausbuchtung des Mühlbachs genutzt wurde.
Das erste städtische Freibad öffnete nach viermonatiger Bauzeit am 30. Juni 1902. Entstanden war ein 10 x 30 Meter großes Schwimmbecken, das von 80 auf 170 Zentimeter Tiefe abfiel. Da es direkt aus dem Mühlbach gespeist wurde, dürfte die Wasserqualität leidlich gewesen sein.
Rund sieben Jahre nach dem Schwimmfest mit dem Wasserballett wurde dann am 30. Mai 1937 das neue, vom Architekten Adolf Gehbauer entworfene Freibad an der heutigen Theodor-Heuss-Straße in Betrieb genommen.
Wasserturm
Gut zu erkennen sind die Gebäude der Beruflichen Schulen, rechts neben dem Wasserturm ist ein Tennisplatz von Rot-Weiß Groß-Gerau zu sehen. Der Tennisclub zog 1982 an seinen heutigen Standort an der Dornberger Pforte um.
Das Sportgelände des VfR Groß-Gerau verfügt noch über keine Tribüne. Sie wurde vor Beginn der ersten Hessenliga-Saison 1972/73 fertiggestellt und bot 800 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Von 1972 bis 1979 gehörte der VfR der seinerzeit dritthöchsten Spielklasse an.
Auf der Schudtwies lässt sich der Frühlingsmarkt erahnen. Das Areal diente vor dem Bau der 1984 eröffneten Kreissporthalle auch als Festplatz und Standort für Gastspiele renommierter Zirkusbetriebe.
Europatage 1973
Links ist das Schild von Radio Gimbel zu erkennen, dahinter die Filiale des Lebensmittelhändlers Kaisers. Das an den Sandböhl angrenzende Wohn- und Geschäftshaus existiert heute nicht mehr; es wurde durch einen Neubau ersetzt, für den 1988 die Baugenehmigung erteilt wurde.
Auf der anderen Seite des Sandböhls steht ein nach dem Zweiten Weltkrieg errichtetes markantes Gebäude in Stahlskelett-Bauweise mit geschwungener Form zur Platzseite hin. 1954 vom Lebensmittelmarkt Schade & Füllgrabe eröffnet, beherbergte es später die Drogerie „Ihr Platz“ und den Herrenausstatter Löffelholz. Seit 2012 gehört die Ladenfläche im Erdgeschoss zum Kaufhaus Braun, beherbergt das Wäschegeschäft „Hautnah”.
Groß-Gerau hatte sich am 11. Juli 1959 mit Brignoles (Frankreich), Bruneck (Italien) und Tielt (Belgien) in einer Ringpartnerschaft zusammengeschlossen. Später kam das polnische Szamotuły dazu.
Die Europatage wurden im Wechsel zwischen den Städten ausgerichtet. 1961 war Groß-Gerau erstmals Gastgeber, es gab eine große Ausstellung von Handwerk, Handel, Industrie und Landwirtschaft. Anfangs war jede Kommune alle vier Jahre Gastgeber, danach alle fünf.
Inzwischen sind die Abstände größer geworden. Die Kreisstadt Groß-Gerau war 2017 letztmals Ausrichter.
Siedlung Springberg
Sofort ins Auge fällt der Glockenturm (Campanile) der Nordkirche, die ursprünglich einmal als Autobahnkirche konzipiert war. Die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgte am 20. Februar 1962, geweiht wurde die Kirche 1966. Sie spielte mit ihrem Gemeindezentrum für die Nord-Siedlung eine wichtige Rolle. Hier wurden Discos veranstaltet, Musikgruppen probten, die Theatergruppe „Gerer Nordlichter“ führte ihre Stücke auf.
2016 wurde die Kirche entweiht und in den folgenden Jahren in das heute bestehende Diakoniezentrum umgebaut. Dabei blieb das markante Betonrelief, das die Geschichte von Jonas und dem Wal erzählt, erhalten.
Am 8. Oktober 1965 wurde am Springberg die Nordschule eröffnet. Ihr Bau trug dem Bevölkerungswachstum Rechnung. Die Ursprünge der Nord-Siedlung liegen in der in den dreißiger Jahren begründeten Heimstätten-Siedlung. Ein wahrhaft einschneidendes Ereignis für Groß-Geraus Norden war der 1961 bis 1964 erfolgte Bau der Autobahn, der große Teile der Siedlung von der Kernstadt trennte. Der Springberg liegt auf der der Stadt zugewandten Seite.
Konservenfabrik Helvetia
Die Helvetia zählte einst zu den größten Konservenfabriken Europas. Als sie den Betrieb aufnahm, besaß sie eine eigene Stromversorgung. Ab 1912 bestand ein Gleisanschluss zum nahen Bahnhof Groß-Gerau, das Unternehmen verfügte zudem über eine Werksfeuerwehr.
Im Jahr 1927 waren in der Fabrik rund 900 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt, die in jenem Jahr 3000 Tonnen Gurken, 800 Tonnen Bohnen, 500 Tonnen Erbsen, 250 Tonnen Karotten, 750 Tonnen Äpfel, 500 Tonnen Zwetschgen, 250 Tonnen Erdbeeren und viele weitere Früchte verarbeiteten. Die eigene Blechverarbeitungswerkstätte konnte täglich bis zu 50.000 Konservendosen herstellen.
In der kollektiven Erinnerung vieler Groß-Gerauer sind die „Klagemauer” und das „Kusswäldchen” geblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten zahlreiche junge Frauen aus Südeuropa – etwa aus Italien und Spanien – in der Fabrik. Viele Burschen aus Groß-Gerau versuchten anzubandeln. Wenn man sich dann nach einem gemeinsamen Tag oder Abend wieder trennen musste, wurde an der Fabrikmauer geklagt.
Anfang der siebziger Jahre arbeiteten noch 420 Menschen bei der Helvetia. Das Aus kam mit der Insolvenz 1973. Der fast 90 Meter hohe Hero-Schornstein, der einst zu den Wahrzeichen Groß-Geraus gehörte, wurde nach der Insolvenz zunächst auf 41 Meter gekürzt, ehe er 1983 gesprengt wurde. Heute stehen auf dem früheren Fabrikgelände, das sich zwischen der 1957 geweihten katholischen Kirche St. Walburga und der ebenfalls nicht mehr existenten Zuckerfabrik befand, vor allem Wohnhäuser.