Großes Interesse an der Bürgerversammlung
Auf großes Interesse ist am Dienstagabend die Groß-Gerauer Bürgerversammlung gestoßen: Mehr als 100 Besucherinnen und Besucher kamen in die Dornheimer Riedhalle, um Kurzvorträge der Stadtverwaltung zu hören und Fragen zu allen möglichen Themen zu stellen.
Eingeladen zu der Versammlung hatte Groß-Geraus Stadtverordnetenvorsteherin Julia Hartmann (CDU), die den Abend auch leitete. Laut Hessischer Gemeindeordnung (HGO) soll es zur Unterrichtung der Bürgerinnen und Bürger über wichtige Angelegenheiten mindestens einmal im Jahr eine Bürgerversammlung geben. Auf dem Podium nahmen mit Thomas Hlubek (CDU), Florian Blumenstein (SPD), Susann Arnold (Freie Wähler) und Sylvia Tausend (Kombi-FWG) auch einige Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen im Stadtparlament Platz.
Wie sich die Stadt auf Schadensereignisse und Katastrophenfälle vorbereitet, legte Sabine Hoffmann dar. Sie erklärte, dass es keinen Grund zur Panik gebe. „Es geht aber darum, zu sensibilisieren und sich vorzubereiten.“ Hoffmann hat in der Verwaltung die Leitung für Sonderprojekte und Krisenmanagement inne. Beispiele für größere Lagen könnten ein längerer oder großflächiger Stromausfall, Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hochwasser, Cyberangriffe oder Unfälle mit gefährlichen Gütern sein.
Meldestellen sollen als Info-Punkte dienen
Um auf solche Ereignisse reagieren zu können, ist ein Verwaltungsstab gebildet worden, der die Handlungsfähigkeit der Stadt sichern soll. Er stimmt sich eng mit dem Führungsstab der Feuerwehr ab.
Beim Ausfall von gewohnten Kommunikationsstrukturen (Telefon, Internet) würden über das gesamte Stadtgebiet verteilt bis zu sieben Meldestellen eingerichtet, die fußläufig erreichbar sein werden. Dort wird es Informationen geben, auch Notrufe können abgesetzt werden. Für den Betrieb der Meldestellen hat die Stadt Stromgeneratoren angeschafft.
Stadt kann einen Betreuungsplatz einrichten
Sollte der Fall eintreten, dass kurzfristig Menschen untergebracht werden müssen, würde ein sogenannter Betreuungsplatz 50 aufgebaut. Er bietet die Möglichkeit, bis zu 50 Personen zu betreuen. Hierfür stehen unter anderem Feldbetten bereit, auch große Notstromanhänger wurden erworben. Als Standorte für Betreuungsplätze kommen die Stadthalle Groß-Gerau, die Riedhalle in Dornheim und die Mehrzweckhalle in Wallerstädten in Frage.
Bei einer großen, mehrere Kommunen betreffenden Lage würde der Kreis einen Betreuungsplatz 500 aufbauen. Doppelstrukturen gebe es nicht, sagte Hoffmann auf eine Frage aus dem Publikum: Für manches sei der Kreis als Untere Katastrophenschutzbehörde zuständig, für anderes die Stadt.
Selbstschutz und Eigenverantwortung ein wichtiges Thema
Ein ganz wichtiges Thema seien Selbstschutz und Eigenverantwortung, betonte Hoffmann. Hinweise, welche Vorräte oder Geräte wie ein batteriebetriebenes Radio man zu Hause haben sollte, finden sich in der Broschüre „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Sie ist unter diesem Link abrufbar.
Vorbereitung auf heiße Sommer
Bürgermeister Jörg Rüddenklau informierte anschließend über die Themen Klimaanpassung und Klimaschutz. Der Sommer 2026 mit seinen anhaltenden Hitzeperioden habe gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe. Erstellt würden eine Karte „Kühle Orte und ein Hitzeportal, zudem sollen mehr klimaresiliente Bäume gepflanzt werden. Flächenentsiegelungen seien auch mit Blick auf Starkregenereignisse und mehr Versickerungsmöglichkeiten ein Thema. Gemeinsam mit Geschäften und Institutionen solle zudem ein Trinkwasser-Nachfüllnetz aufgebaut werden.
Geprüft würden Trinkwasserbrunnen und Verneblungsanlagen, hier gebe es allerdings extrem hohe Anforderungen in puncto Hygiene. Auch Sonnensegel würden geprüft.
Um sich auf Unwetter vorzubereiten, lasse die Stadt eine Starkregengefahrenkarte erstellen. Und weil Wasser bekanntlich nicht an Gemeindegrenzen Halt macht, hat Groß-Gerau zusammen mit Büttelborn, Nauheim, Trebur und Riedstadt eine Starkgegenallianz gebildet.
Gute Nachrichten zur B-44-Ortsumgehung Dornheim
Erfreuliche Nachrichten hatte Rüddenklau zur B-44-Ortsumgehung Dornheim im Gepäck. Voraussichtlich in dieser Woche werde die endgültige Auftragsvergabe durch Hessen Mobil erfolgen, der Spatenstich sei noch für dieses Jahr geplant. Begonnen werde mit der Aufschüttung des Damms und den drei Kreisverkehren. Fertiggestellt sein solle die Umgehung bis Ende 2029.
Beim Baugebiet „Am Hinterlacher Sand“ im Norden Dornheim liefen aktuell noch Abstimmungen, der Bebauungsplanentwurf gehe dann in die Offenlage. Der Satzungsbeschluss werde für April 2028 angestrebt. Nach Inkrafttreten könnte dann mit der Bebauung begonnen werden. Für den Betrieb des lang ersehnten Supermarkts für Dornheim gebe es mehrere Interessenten, sagte Rüddenklau auf die Frage einer Besucherin.
Pläne für Gewerbegebiete
Für das Gewerbegebiet „Am Hermannsberg West“ in Groß-Gerau/Nord sei der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan für August 2027 geplant. Rüddenklau informierte auch über die Zukunft des Lausböhls in der Nähe des Dornberger Bahnhofs, wo früher eine Automobilspedition beheimatet war. Dort gab es Pläne für den Bau eines großen Rechenzentrums. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich im Februar 2026 allerdings mehrheitlich dagegen ausgesprochen, in Vertragsverhandlungen über die Ansiedlung eines Rechenzentrums einzusteigen. Mit dem Eigentümer würden nun zeitnah Gespräche geführt, wie es weitergehen soll.
Auch aus dem Publikum gab es jede Menge Fragen, das Spektrum reichte von Spielplätzen über den Mängelmelder bis zum Baumkataster, Bußgelder für das Wegwerfen von Zigarettenkippen und Verkehrsverstößen von Radfahrenden bis zu Kitas und Parkplätzen am Dornheimer Bahnhof.