26 Jahre Wehrführer: Danke, Fritz Hammann
Die Dienstversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wallerstädten – sie stand ganz im Zeichen des Abschieds von Wehrführer Fritz Hammann. Nach unglaublichen 26 Jahren und sechs Monaten an der Spitze der Einsatzabteilung zog er sich jetzt von diesem Amt zurück. Zu Hammanns Nachfolger wählten die Feuerwehrfrauen und -männer Lars Pogarell.
In seinem letzten Jahresbericht ließ Fritz Hammann mehr als ein Vierteljahrhundert Feuerwehrgeschichte Revue passieren, humorig und mit der einen oder anderen Anekdote gespickt. Wie sehr der Wallerstädter Wehrführer für Kontinuität stand, belegen die Vergleiche mit anderen Amtsträgern. Seitdem er am 20. August 1999 zum Wehrführer gewählt wurde, hatte Hammann vier Bundeskanzler (Gerhard Schröder, Angela Merkel, Olaf Scholz, Friedrich Merz), drei hessische Ministerpräsidenten (Roland Koch, Volker Bouffier, Boris Rhein), zwei Landräte (Enno Siehr, Thomas Will), fünf Groß-Gerauer Bürgermeister (Manfred Hohl, Helmut Kinkel, Stefan Sauer, Erhard Walther, Jörg Rüddenklau) und fünf Stadtbrandinspektoren (Kurt Bertram, Andreas Möstl, Benny Surmann, Felix Spilger, Michael Scharper) erlebt.
Anfangs noch in Gummistiefeln zum Einsatz
Hammann erinnerte daran, dass die Einsatzkräfte früher noch in einfachen Blaumännern und mit Gummistiefeln losgeschickt wurden – in puncto Sicherheit hat sich also viel getan. Auch Fahrzeuge wurden ausgetauscht, auf den Umbau des Gerätehauses hatte Hammann seine eigene Sicht: „Nie wieder!“, lautete sein knapper und bündiger Kommentar dazu.
Auch auf manche Einsätze ging Hammann kurz ein, darunter der Silobrand in der Zuckerfabrik (1999), ein Flugzeugabsturz bei Wallerstädten (2004), ein Scheunenbrand in Dornheim (2009) und der Brand in den Räumen der Tafel in der Groß-Gerauer Nordkirche (2017).
Videogrüße der Kameradinnen und Kameraden
Viele dieser Einsätze hatte auch Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau noch gut vor Augen. „Wir waren wohl in derselben Feuerwehr“, scherzte Rüddenklau, von 2014 bis 2024 zehn Jahre lang Wehrführer in Groß-Gerau. Er würdigte den Einsatz Fritz Hammanns und den der Wallerstädter Wehr ebenso wie der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Friedrich Schweikert, der Parlamentschef Christian Wieser vertrat. An der Versammlung nahmen mehrere Fraktionsvorsitzende teil. Auch der stellvertretende Kreisbrandinspektor Andreas Möstl und Stadtbrandinspektor Michael Scharper hoben Hammanns Wirken hervor. Seine Kameradinnen und Kameraden bedankten sich bei ihm mit Videogrüßen in Form eines Films und einem neuen Fahrzeug, einem „Feuerwehr-Rollator“.
Zu einer Dienstversammlung gehört immer auch Statistik, und die hatte Hammann natürlich auch im Gepäck. Der Wallerstädter Einsatzabteilung gehörten Ende des Jahres 2025 insgesamt 36 Kräfte an, darunter sieben Frauen. Wie hoch die Bereitschaft zu Fortbildung und Lehrgängen ist, zeigt der Umstand, dass die Einsatzabteilung gleich 20 Atemschutzgeräteträger stellt.
Im Jahr 2025 insgesamt 21 Einsätze bewältigt
Bei 21 Einsätzen – davon sechs in Orten außerhalb Groß-Geraus – leistete die Wallerstädter Einsatzabteilung 348 Stunden. 772 Stunden wurden für Lehrgänge und Seminare aufgebracht, 1576 für Ausbildung in Theorie und Praxis. Nimmt man die Betreuung von Kinder- und Jugendfeuerwehr sowie die Zeiten der Wehrführung dazu, kommt die Freiwillige Feuerwehr Wallerstädten auf 4117 ehrenamtliche geleistete Stunden im Dienst der Allgemeinheit.
Zusammen mit Büttelborn bildet Wallerstädten einen von sieben Akutlöschzügen im Kreis. „Die Akutlöschzüge sind eine wichtige Sache für den Kreis“, sagte der stellvertretende Kreisbrandinspektor Andreas Möstl. Erst vor Kurzem war der Zug beim Brand auf dem Gelände der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt-Wixhausen gefordert.
Ganze Reihe an Beförderungen
Stadtbrandinspektor Michael Scharper kam die Aufgabe zu, eine ganze Reihe an Beförderungen vorzunehmen. Eine besondere war die von Mariia und Olekskii Shponka zur Feuerwehrfrauanwärterin beziehungsweise zum Feuerwehrmannanwärter: Die aus der Ukraine geflohene Familie hat in Wallerstädten ein Zuhause gefunden, engagiert sich bei der Feuerwehr.
Weitere Beförderungen gab es für (neue Dienstbezeichnung in Klammern): Finn Henrich (Feuerwehrmann), Leon Krieger, Bastian Matischok, Sebastian Roos, Leon Wallisch und Felix Weg (alle Oberfeuerwehrmann), Julian Diehl (Oberlöschmeister) und Lars Pogarell (Hauptlöschmeister).
In der Jugendfeuerwehr engagieren sich zwölf Jugendliche, die 924 Stunden leisteten. Bei der Kinderfeuerwehr, den Feuerdrachen, mischten 14 Kinder mit (sechs Mädchen und acht Jungen). Die Wallerstädter Wehr war eine der ersten im Kreis, die eine Kinderfeuerwehr ins Leben gerufen haben.
Hammann verlängert Zeit als aktiver Feuerwehrmann
Eine Vorreiterrolle nimmt Wallerstädten auch in anderer Hinsicht ein. Seit wenigen Wochen ist es möglich, die Dienstzeit um zwei Jahre zu verlängern. Bislang galt für den aktiven Dienst die Altersgrenze von 65 Jahren. Von wem der erste Antrag auf Dienstzeitverlängerung stammt, dürfte nicht schwer zu erraten sein: natürlich von Fritz Hammann. Als Wehrführer hat er seinen Abschied genommen, der Einsatzabteilung aber bleibt er erhalten.