Neuer Stadtbrandinspektor für Groß-Gerau
Die Stadt Groß-Gerau bekommt ab 1. Juli 2026 einen neuen Stadtbrandinspektor. Bei der gemeinsamen Dienstversammlung in der Groß-Gerauer Stadthalle wurde Lucas Hartmann mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Michael Scharper gewählt, der nicht erneut kandidiert hatte. Für den 42 Jahre alten Hartmann votierten 107 der 113 stimmberechtigten Feuerwehrfrauen- und -männer, sechs stimmten gegen ihn. Hartmann ist Wehrführer der Einsatzabteilung Groß-Gerau.
Stellvertretender Stadtbrandinspektor bleibt auch in den kommenden fünf Jahren Carsten Kortwig, der ebenfalls der Einsatzabteilung Groß-Gerau angehört. Bei der Wahl setzte er sich mit 77 zu 35 Stimmen gegen Julian Diehl von der Einsatzabteilung Wallerstädten durch.
Vor rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Stadthalle - darunter Bürgermeister Jörg Rüddenklau, Stadtverordnetenvorsteher Christian Wieser, Vertreterinnen und Vertretern von Fraktionen und Magistrat, Dezernentin Sabine Hoffmann und Ordnungsamtsleiter Lebrecht Viebahn - machte Hartmann deutlich, welche Schwerpunkte er setzen will und unter welchen Voraussetzungen er kandidiert. Besonderes Augenmerk will er auf die Mitgliedergewinnung, den Erhalt der Tagesalarmstärke und die Vereinbarkeit von Familie, Feuerwehr und Beruf legen. Zum Erhalt der Tagesalarmstärke müsse man das Gespräch mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern suchen.
Hartmann betonte zugleich, dass er gern seine fachliche Expertise einbringe und die Feuerwehr führe. Als ehrenamtlicher Sachbearbeiter für die Verwaltung kandidiere er nicht.
Ehrenamtlich 30.000 Stunden geleistet
Da der amtierende Stadtbrandinspektor Michael Scharper verhindert war, trug sein Stellvertreter Carsten Kortwig den Jahresbericht vor. Nimmt man alle Abteilungen einschließlich der Kinder- und Jugendfeuerwehren zusammen, dann hat die Groß-Gerauer Feuerwehr im Jahr 2025 ehrenamtlich rund 30.000 Stunden geleistet.
Die Einsatzabteilungen wurden im vergangenen Jahr 386 Mal zu insgesamt 320 Einsätzen gerufen. Groß-Gerau wurde 268 Mal alarmiert. Dahinter folgen Berkach (59), Dornheim (38) und Wallerstädten (21). In 148 Fällen leistete die Wehr technische Hilfeleistungen. Hinzu kamen 75 Brände und 97 sogenannte Fehlalarmen. Bei den in der Statistik als Fehlalarm deklarierten Einsätzen muss die Wehr vor Ort nicht einsetzen.
Zahl der Einsätze bleibt auf hohem Niveau
Verglichen mit dem Jahr 2024 sank die Zahl der Einsätze um 30, bewegt sich in der Langzeitbetrachtung aber weiter auf hohem Niveau. Seit 2004 war 2025 das Jahr mit den viertmeisten Einsätzen. 80 Personen konnten gerettet, sechs leider nur noch tot geborgen werden.
Bei den Einsätzen wurden 4742 Stunden geleistet. Die Einsatzabteilungen investierten zudem 7855 Stunden in Übungs- und Ausbildungsveranstaltungen am eigenen Standort sowie 3300 Stunden bei externen Lehrgängen.
Im Jahresbericht sprach die Feuerwehr auch das Thema Hilfsfristen an. Angesichts des zunehmenden Verkehrs, aber auch verkehrsberuhigender Maßnahmen werde es immer schwerer, die Hilfsfrist von zehn Minuten einzuhalten: Die für die Anfahrt zum Stützpunkt vorgesehenen zwei bis drei Minuten seien ganz schön knapp bemessen.
Prognose sagt sinkende Personalstärke voraus
Sorge bereitet auch die Personalstärke. Den Einsatzabteilungen gehörten Ende 2025 insgesamt 171 Kräfte an (minus acht). Das liegt noch über der Mindestanzahl von 164 Kräften. In der mittelfristigen Personalprognose ergibt sich für 2035 aber nur noch eine Anzahl von 147 Kräften.
Die Feuerwehr versucht mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen gegenzusteuern, eine Werbeaktion auf Pizzakartons stieß bundesweit auf Resonanz. Für ihr Engagement in Sachen Mitgliedergewinnung wird die Freiwillige Feuerwehr Groß-Gerau vom Hessischen Innenminister Roman Poseck demnächst als „Feuerwehr des Monats“ ausgezeichnet.
Das Alters- und Ehrenabteilung gehören 73 Mitglieder an, der Jugendfeuerwehr 77 und der Kinderfeuerwehr 54.
Erfolge für den Nachwuchs
Die Jugendfeuerwehren in den vier Abteilungen leisten mehr als 6500 Stunden. Wie Stadtjugendfeuerwehrwartin Julia Kaiser darlegte, stellte die Kreisstadt bei den Kreismeisterschaften des Nachwuchses mit fünf Teams mehr als die Hälfte aller Teilnehmenden. Berkach belegte den ersten und dritten Platz und landete beim Landesentscheid auf Rang zwölf.
Mehr als 50 Kinder und 14 Betreuerinnen und Betreuer sind in der Kinderfeuerwehr aktiv. Neben den „Löschmäusen“ aus Groß-Gerau gibt es hier die „Feuervögel“ aus Berkach und die „Feuerdrachen“ aus Wallerstädten.
Wichtige Aufgaben leisten auch die Gruppe „Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung“ (BeBa) sowie das Team der Presse- und Medienarbeit.
Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau hob die hohe Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr für die Stadt hervor. Das alles funktioniere nur, weil sich fast 400 Menschen kontinuierlich ehrenamtlich engagierten. Rüddenklau sicherte zu, dass die Stadt die Feuerwehr auch weiter nach Kräften fördern werde. Zugleich appellierte er an die Feuerwehrleute, ihre Führungskräfte zu unterstützen.
Das Thema Hilfsfrist wolle er beim Besuch von Innenminister Poseck ansprechen, sagte Rüddenklau. Der stellvertretende Kreisbrandinspektor Andreas Möstl, der der Groß-Gerauer Wehr den Dank des Kreises überbrachte, mahnte allerdings zur Vorsicht, was ein mögliches Schrauben an Hilfsfristen angehe.
Stadtverordnetenvorsteher Christian Wieser betonte, dass die Politik hinter der Feuerwehr stehe. Die Wertschätzung zeige sich auch daran, dass die Hälfte des Stadtparlaments zur gemeinsamen Dienstversammlung erschienen sei. Neben dem Beruf ein solches Ehrenamt auszuüben, verdiene Dank und Respekt. Völlig unverständlich sei es, dass es Menschen gebe, die Einsatzkräfte angriffen. Dies müsse strikt verfolgt werden.
Jede Menge Ehrungen und Beförderungen
Im Zuge der gemeinsamen Dienstversammlung gab es auch jede Menge Ehrungen und Beförderungen. Lars Pogarell wurde offiziell zum neuen Wallerstädter Wehrführer ernannt, sein Vorgänger Fritz Hammann erhielt die Entlassungsurkunde.
Daniel Johannes Friedmann, Martin Schmid, Dominik Landau und Tim Herz wurden zum Brandmeister befördert, Sandra Wallisch zur Brandmeisterin. Tom Christopher Kappel ist jetzt Oberbrandmeister.
Für ihren Einsatz bei der Jugendfeuerwehr erhielt Julia Kaiser die Silberne Florian Medaille, die Bronzene Florian Medaille ging an Diana Keller und Davis Dorison.
Das Silberne Brandschutzabzeichen am Bande für 25 Jahre Feuerwehrdienst ging an Christian Kneib, das Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbands Darmstadt in Gold für 50 Jahre an Gerald Krumb und Lothar Schadt. Mit dem Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbands Darmstadt in Gold am Bande wurden Karl Bertram, Dieter Böttger und Ludwig Kleinböhl für 60 Jahre ausgezeichnet.
Anerkennungsprämien für langjährigen Dienst
Von der Stadt noch aufgestockte Anerkennungsprämien des Landes für langjährigen aktiven Dienst gab es für Julia Kaiser, Jeremy Jäger, Nikola Kirmes, Rafael Kirmes und Kevin Alemdar (10 Jahre), Sandra Wallisch (20 Jahre), Sandra Coppola, Christian Rausch, Stefanie Stein und Markus Wenzel (30 Jahre), Andreas Möstl, Detlev Endner und Michael Scharper (40 Jahre) sowie Geza Schmotzer, Edmund Weimer, Peter Funk und Roland Auer (50 Jahre).