Interkulturelle Wochen 2026 sind eröffnet
Die 22. Interkulturellen Wochen (IKW) in Groß-Gerau sind am Samstag mit einem bunten Fest auf dem Sandböhl eröffnet worden. Der Andrang war so groß wie selten, zeitweise war kaum ein Durchkommen. Über den Tag verteilt kamen deutlich mehr als 600 Besucherinnen und Besucher.
Das Motto der Interkulturellen Wochen in der Kreisstadt lautet in diesem Jahr „miteinander zusammen gestalten“. Dieses Motto griff Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau in seiner Ansprache auf. Gemeinsam lasse sich mehr erreichen, und dazu gehöre es auch, die unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die in unserer Stadt leben, zusammenzubringen.
Er rief dazu auf, all jenen, die nur Negatives verbreiteten, Unmut, Unruhe und Hass stifteten, entgegenzutreten und ihnen zu zeigen, „dass sie nicht die Gesellschaft sind, die wir hier wollen“.
Dafür – und nicht einfach nur dagegen
Wolfgang Prawitz, Pfarrer für interreligiösen Dialog und Erinnerungskultur beim Evangelischen Dekanat Groß-Gerau – Rüsselsheim, betonte, dass das Leitwort der Deutschen Bischofskonferenz zu den Interkulturellen Wochen 2026 „Dafür!“ laute. Es diene als starker Gegenpol zu Ausgrenzung, Intoleranz und einem oft angst- oder „dagegen“-geprägten öffentlichen Diskurs.
„Wir sind für Nächstenliebe, für eine offene Gesellschaft, für Solidarität und Toleranz“, erklärte Prawitz. In einer komplexer werdenden Realität gelte es, Zusammenleben zu gestalten. „Eine solidarische, weltoffene Gesellschaft ist möglich. Sie beginnt vor Ort.“
Organisiert werden die Interkulturellen Wochen vom Sozial- und Integrationsbüro der Kreisstadt Groß-Gerau sowie vom Pfarramt für Ökumene im Evangelischen Dekanat Groß-Gerau – Rüsselsheim.
Menschen kommen miteinander ins Gespräch
Beim von Heidi Förster moderierten Eröffnungsfest kamen zahlreiche Menschen miteinander ins Gespräch, auch Sprachbarrieren ließen sich problemlos überwinden – die Atmosphäre war freundlich und zugewandt.
Auf der Bühne führte Förster viele Kurzinterviews. Die Sportcoaches Samadoon Mohamed und Janik Dreiseitl gaben Einblick in ihre Arbeit, der Internationale Frauentreff am Springberg wurde vorgestellt, ebenso die Projekte „Kaffee & Kakao“ oder „Nadel und Faden“. Auch die Hospizstiftung und die „Omas gegen Rechts“ präsentierten sich. Dekan Martin Franke-Coulbeaut hob hervor, wie wichtig es sei, sich gegenseitig kennenzulernen.
Mit Info-Ständen waren die Kreisvolkshochschule, der Internationale Bund (IB), das Internationale Frauencafé, der Circolo Famiglie Italiane, Milli Görüs, die Stadt Groß-Gerau, „Kaffee & Kakao“, der Verein Partnerschaft Eine Welt – Dornheim, die „Omas gegen Rechts“, der Sozialpsychiatrische Verein (SPV) mit dem Projekt „Kaktus“, die Kommunale Jugendarbeit, der Pro Familia-Kreisverband, die Hospizstiftung, das Evangelische Dekanat und die Diakonie vertreten.
Bei der Jugendarbeit konnten Buttons hergestellt werden, der IB buk Waffeln, „Kaffee und Kakao“ hatte Muffins im Angebot, es gab italienische und türkische Spezialitäten, beim SPV durfte am Glücksrad gedreht werden – für Kurzweil und Information war den ganzen Tag über gesorgt.
Schwungvolle Auftritte auf der Bühne
Schwungvolle Auftritte lieferten die Jazztanz- und Ballett-Formationen von Blau-Gelb und TV Groß-Gerau sowie die „Crazy Jumpers“ (Rope Skipping) von Blau-Gelb. Mit ihrem musikalischen Können überzeugten die Bläserklasse der Martin-Buber-Schule, Bandklassen der Luise-Büchner-Schule, Schülerinnen und Schüler der Schillerschule genauso wie Band und Orchester der städtischen Musikschule.
Nicht nur das Publikum zeigte sich begeistert, auch die Organisatorinnen und Organisatoren waren mehr als nur zufrieden. „So eine Resonanz hatten wir noch nicht. Das Thema ist vielen Menschen wichtig“, sagte Dr. Christiane Eichhorn, Teamleitung Flüchtlingssozialarbeit in der Kreisstadt. „Ohne Raum dafür gibt es keine Begegnung.“
Besondere Würdigung für Wolfgang Prawitz
Ganz ähnlich äußerten sich Andreja Baur und Ralf Platen vom städtischen Sozial- und Integrationsbüro sowie Pfarrer Wolfgang Prawitz. „Die Interkulturellen Wochen sind unverzichtbar“, befand Prawitz, der die Reihe entscheidend geprägt hat. Die 22. Auflage ist die letzte, die er während seines Berufslebens begleitet. Seine Verdienste um die Interkulturellen Wochen würdigten die frühere Sozial- und Integrationsbüro-Leiterin Birgit Ruland und das gesamte Team und überreichten Prawitz ein 1500-Teile-Puzzle mit Impressionen aus zwei Jahrzehnten IKW.
Möglich werden die Interkulturellen Wochen 2026 dank des finanziellen Engagements der Volksbank Darmstadt Mainz, der Sparkassen-Stiftung Groß-Gerau, des Überlandwerks (ÜWG), der Firma ESC – Elektro Schrott Containerdienst, der Buchhandlung Calliebe, der Restaurants „Safran“ und „Milano“ und von „Changs Restaurant“ und Eric Merten Hypnose.
Programm läuft bis 3. Oktober
Die Interkulturellen Wochen bieten bis Samstag, 3. Oktober 2026, zahlreiche Veranstaltungen von Kochabenden, Filmvorführungen und einem Stadtteilfest hin zu Diskussionsrunden über Demokratie und Religion sowie Koran und Bibel. Auch an die verfolgten und ermordeten früheren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger wird erinnert. Den Abschluss der Interkulturellen Wochen bildet am Samstag, 3. Oktober, der Tag der offenen Moschee.
Das genaue Programm lässt sich unter diesem Link abrufen.