Kanalsanierung in Wallerstädten liegt im Zeitplan
Eine Kanalsanierung muss nicht mit monatelang aufgerissenen Straßen, langen Verkehrsbehinderungen und nervigen Umleitungen verbunden sein: Das zeigen die Groß-Gerauer Stadtwerke derzeit in Wallerstädten. In der Straße Am Schlag – also in der Ortsdurchfahrt von der Kirche bis zum Ortsausgang Richtung Geinsheim – sanieren sie den Kanal aus dem Jahr 1969 in geschlossener Bauweise. Die Fahrbahndecke muss dabei nicht geöffnet werden.
„Mit geschlossenen Sanierungen sparen wir Kosten, und es geht wesentlich schneller“, sagt Jasmin Werner, Teamleiterin für Stadtentwässerung. Vor allem in Hauptverkehrsbereichen bevorzuge man diese Sanierungsmethode.
Bestehende Rohre werden mit Schlauch ausgekleidet
Vereinfacht gesagt, werden die bestehenden Kanalrohre dabei mit einem Schlauch ausgekleidet, durch den die Abwässer dann fließen. Wie das funktioniert, erläutert Bauingenieur Timo Breitenbach vom gleichnamigen Ingenieurbüro. „Zunächst wird der Kanal gespült, dann der Schlauch durch das Kanalrohr gezogen.“
Das Einziehen klingt allerdings einfacher, als es ist. Der Schlauch für den 125 Meter langen Abschnitt zwischen der S-Kurve und dem Spielplatz Richtung Geinsheim wiegt 3,1 Tonnen. Er läuft über ein Förderband. Mehrere Männer sind nötig, um ihn so zu falten, dass er in die Öffnung des Kanalschachts passt. Einer muss hinuntersteigen, um ihn an einer Seilwinde zu befestigen. Dann wird der Schlauch von einem Ende des Abschnitts zum anderen gezogen.
Anschließend wird Druckluft erzeugt, der Schlauch langsam aufgeblasen. In diesem Abschnitt geht es um DN700-Rohre, also Rohre mit einem Innendurchmesser von 70 Zentimetern. Im nächsten Schritt wird eine Lichterkette in den Kanal eingeführt und gezündet. Das 2000 Watt starke UV-Licht sorgt dafür, dass der Schlauch aus in Harz eingelegtem, glasfaserverstärkten Kunststoff aushärtet. Zum Abschluss sorgt ein Fräsroboter dafür, dass im Kanal eine Öffnung zu den Hausanschlüssen entsteht.
Maßnahme kostet rund 500.000 Euro
Bei der aktuellen Baumaßnahme in Wallerstädten werden rund 800 Meter Kanal instandgesetzt. Auf einer Länge von 400 Metern erfolgt das oben beschriebene Schlauchlining, auf weiteren 400 Metern werden Reparaturen vorgenommen. Kostenpunkt: rund 500.000 Euro. Bereits im Oktober und November 2024 waren in Wallerstädten, vor allem An der Pforte, 590 Meter Kanal saniert worden.
„Die ersten Schlauchliner wurden 1970 eingebaut, funktionieren noch heute. Es eine sehr dauerhafte Lösung, die technische Nutzungsdauer liegt bei 50 Jahren und mehr“, sagt Breitenbach. Die Arbeiten lägen im Zeitplan, Ende März werde man auch mit den Nacharbeiten fertig sein. Parkverbote konnten schon wieder aufgehoben werden. Um das zu ermöglichen, hat das Team der Firma Diringer & Scheidel um Bauleiter Christian Elvert teils bis in die tiefe Nacht gearbeitet.
Während ein Abschnitt erneuert wird, haben die betroffenen Häuser vorübergehend keine Verbindung zum Hauptkanal. Daher wurden die Anliegenden gebeten, ihren Wasserverbrauch auf das absolut nötige Minimum zu beschränken. Länger als einen Tag dauerten diese Einschränkungen aber nicht an.
Groß-Geraus Kanalnetz ist rund 150 Kilometer lang
Wie Jasmin Werner von den Groß-Gerauer Stadtwerken darlegt, hat das städtische Kanalnetz eine Länge von 152 Kilometern – rund 109 Kilometer in der Innenstadt und 43 Kilometer in den Stadtteilen. Dazu gehören etwa 5000 Schächte und zirka 30 Bauwerke, also Pumpwerke oder Regenrückhaltebecken. Da es im Ried nur ein Gefälle von durchschnittlich 0,3 Prozent gibt, sei der Betrieb herausfordernd. Zum einen wegen Ablagerungen, aber auch, weil das Wasser eine längere Aufenthaltszeit in den Rohren hat.
Die Anforderungen ans Kanalnetz umreißt die Teamleiterin Stadtentwässerung so: der Kanal muss dicht, standsicher und betriebssicher sein. Um das gewährleisten zu können, wird das Netz regelmäßig mit Kameras befahren. Im Schnitt werden pro Jahr etwa elf Kilometer unter die Lupe genommen.
Saniert wird nach Prioritätenliste
Aus den Ergebnissen der Befahrungen wird eine Prioritätenliste erstellt, also festgelegt, welcher Abschnitt wann instandgesetzt wird. Tauchen größere Schäden auf, muss unter Umständen sofort gehandelt werden. Auch kurzfristig kann Handlungsbedarf entstehen. Zum Beispiel, wenn eine Straße einbricht, weil sich ein Hohlraum gebildet hat.
Für die Sanierung (offene und geschlossene Bauweise) sowie den Unterhalt des Kanalnetzes (Spülungen, Reparaturen, Schädlingsbekämpfung) geben die Groß-Gerauer Stadtwerke jedes Jahr rund zwei Millionen Euro aus. „Kanalisation ist eine Dauerbaustelle“, sagt Werner. In Wallerstädten aber hofft sie, für die nächsten Jahre Ruhe zu haben.