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Datum: 23.03.2026

Trauer um Alt-Bürgermeister Manfred Hohl

Die Kreisstadt Groß-Gerau trauert um ihren früheren Bürgermeister Manfred Hohl: Der Sozialdemokrat ist am 2. März 2026 im Alter von 87 Jahren gestorben. Bürgermeister Jörg Rüddenklau würdigte ihn als aufrechten Demokraten mit klarem Wertekompass, der seine Ziele konsequent verfolgt habe. „Die Stadt Groß-Gerau hat Manfred Hohl viel zu verdanken. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagte Rüddenklau. Die Beisetzung ist auf Wunsch der Familie im engsten Kreis erfolgt.

Hohl stand von 1983 bis 2001 an der Spitze der Groß-Gerauer Verwaltung – so lange wie kein anderes Stadtoberhaupt nach dem Zweiten Weltkrieg. Geboren am 26. November 1938 in Nieder-Gemünden im heutigen Vogelsbergkreis, kam der Sohn eines Fahrlehrers 1956 nach Groß-Gerau. Nach dem Abitur studierte er in Frankfurt und Marburg Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaften, wurde Lehrer und 1972 dann der erste Leiter der Integrierten Gesamtschule Kelsterbach. Die Idee des längeren gemeinsamen Lernens lag Hohl sehr am Herzen.

1972 ins Stadtparlament eingezogen

Seine politische Heimat war die SPD, der er 1965 beitrat. Sieben Jahre später – also 1972 – zog er erstmals in die Groß-Gerauer Stadtverordnetenversammlung ein, drei Jahre später wurde er Fraktionschef. In den siebziger Jahren gestaltete er den Zusammenschluss mit Dornheim und Wallerstädten mit.

1983 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von SPD und Grünen als Nachfolger seines Parteifreunds Ingo Endrick Lankau zum Bürgermeister. 1995 war er der erste Groß-Gerauer Verwaltungschef, der sich einer Direktwahl stellen musste. Gegen vier Mitbewerberinnen und Mitbewerber setzte er sich im ersten Wahlgang mit 55,6 Prozent der Stimmen souverän durch.

Einsatz für Soziales und Kultur

All die Projekte aufzuzählen, die mit seinem Namen verbunden sind, würde jeden Rahmen sprengen. Akzente setzte Hohl vor allem in der Sozial- und Kulturpolitik. In seine Amtszeit fiel nicht zuletzt Groß-Geraus kultureller Aufbruch mit der Eröffnung des neuen Stadtmuseums, der neuen Bücherei und des Kulturcafés in den späten achtziger, frühen neunziger Jahren. Auch für den Bau des Frauenhauses und des Wohnheims für Obdachlose setzte er sich ein – das Soziale spielte für den Genussmensch und Kulturliebhaber, den es im Sommerurlaub gern nach Südfrankreich zog, immer eine wichtige Rolle.

Groß-Geraus bislang größtes Fest, der Hessentag 1994, fiel ebenso in die Ära von Manfred Hohl wie die Erweiterung der Kläranlage und der Bau der Dreifeldhalle in Dornheim. Der am 9. Mai 1989 geschlossene Freundschaftsvertrag mit der polnischen Stadt Szamotuly, der im Jahr 2000 in eine offizielle Partnerschaft mündete, ist ebenfalls maßgeblich auf seine Initiative zurückzuführen.

Projekte konnte Hohl, der gern die Kontrolle behielt, mit Nachdruck vorantreiben. In den Themen war er dank intensiver Vorbereitung tief drin und konnte aus dem Stegreif druckreif Auskunft geben. Zugleich beherrschte er die Kunst, fesselnd zu erzählen.

Nach Bürgermeisterzeit in Kreispolitik aktiv

Im Alter von 62 Jahren zog sich Manfred Hohl 2001 aus dem Bürgermeisteramt zurück, sein Nachfolger wurde der kaum jüngere Helmut Kinkel. Nach der Zeit als Bürgermeister startete Hohl seine zweite politische Karriere. 2002 zog er als Nachrücker in den Groß-Gerauer Kreistag ein. Bereits am 1. April 2004 übernahm er den Vorsitz der SPD-Fraktion und bereicherte mit pointierten Beiträgen die Debatten.

Rund vier Jahre später wurde er am 5. Mai 2008 zum Vorsitzenden des Groß-Gerauer Kreistags gewählt. Auch in diesem Amt, das er bis zum 31. März 2016 innehatte, erwarb er sich Anerkennung und Respekt über Parteigrenzen hinweg.

In Groß-Gerau leitete Hohl darüber hinaus von 1983 an für vier Jahrzehnte das Ortsgericht.

Zuletzt hatte sich Manfred Hohl aus der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgezogen. Das Geschehen in Stadt, Bund und Welt aber verfolgte er weiter aufmerksam – Hohl war durch und durch ein Zoon politikon im besten Sinne des Wortes.

Die Kreisstadt Groß-Gerau hat er über Jahrzehnte geprägt und mitgestaltet. Seine Stimme wird fehlen. Vergessen wird er nicht.