Radfahrkurs für geflüchtete Frauen gestartet
Für viele gehört Radfahren wie selbstverständlich zum Alltag. Andere haben es nie gelernt, obwohl sie seit Kindesbeinen den Wunsch dazu hatten. Oft sind es Frauen, denen dies bislang verwehrt blieb – doch für acht von ihnen ändert sich das gerade: Bei einem Radfahrkurs für geflüchtete Frauen in Groß-Gerau lernen sie, sich sicher auf zwei Rädern fortzubewegen.
„Radfahren ist eine selbstbestimmte Form der Fortbewegung. Ich bin auf keinen Fahrplan angewiesen, und mir entstehen praktisch keine Kosten“, sagt Nicole Matheis, die seit 2010 als selbstständige Radfahrtrainerin tätig ist. Organisiert wurde der Kurs vom Sozial- und Integrationsbüro der Kreisstadt Groß-Gerau. Die Anregung dazu gab Katharina Aesche von der Flüchtlingssozialarbeit, die den Bedarf ausgemacht hatte. Die Finanzierung erfolgt über das Programm „Sport integriert Hessen“.
Auch die Deutschkenntnisse werden verbessert
Die acht Frauen aus Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Somalia und Eritrea lernen aber nicht nur Radfahren, sondern verbessern ganz nebenbei auch noch ihre Deutschkenntnisse. „Der Kurs hat ganz praktische und positive Auswirkungen auf das Leben der Frauen. Es geht um Lebensqualität und Freiheit, um Selbstermächtigung“, erklärt Dr. Christiane Eichhorn, Teamleitung Flüchtlingssozialarbeit in der Kreisstadt.
Bevor es aufs Rad geht, haben die Frauen erst einmal auf Rollern das Losfahren, das Halten des Gleichgewichts und das richtige Bremsen trainiert. Die Speedskating-Abteilung von Blau-Gelb Groß-Gerau hat hierfür dankenswerterweise ihren Skatepark zur Verfügung gestellt, damit die ersten Schritte in einer geschützten Umgebung erfolgen können.
Trainerin Matheis setzt auf die spielerische Vermittlung von Inhalten. Sie arbeitet nach Christian Burmeisters Methode „Moveo ergo sum“, was soviel bedeutet wie „Ich bewege mich, also bin ich“. Im Laufe des zweiwöchigen Kurses stehen für die Frauen außerdem noch kleinere Ausfahrten an, auch grundlegende Verkehrsregeln werden vermittelt.
Teilnehmerinnen sind begeistert
Die Teilnehmerinnen sind begeistert. „Meine Kinder fahren gern Rad, und in Zukunft kann ich mit ihnen fahren und muss nicht neben ihnen laufen“, erzählt Ulfat (31) aus Pakistan. „Ich bin froh, hier Radfahren zu lernen.“ Trahas aus Äthiopien besaß schon einmal ein Rad, das sie aber weiterverschenkt hat, weil sie Angst vorm Fahren hatte. „Jetzt geht die Angst weg. Das ist eine schöne Erfahrung.“ Für Somaya (39) aus Afghanistan bieten der Kurs und die neu gewonnene Mobilität die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu treten. „In unseren Ländern dürfen Frauen vieles nicht machen. Das ist hier zum Glück anders.“
Christiane Eichhorn zeigt sich ebenfalls zufrieden. „Es ist schön, dass wir dieses Angebot dank der Landesförderung unterbreiten können. Die neuen Fähigkeiten verschaffen den Frauen nicht nur einen größeren Bewegungsradius, sondern stärken auch ihr Selbstbewusstsein.“