Rattenbekämpfung: So gehen die Stadtwerke vor
Bei den Stadtwerken und der Stadt Groß-Gerau gehen dieser Tage vermehrt Hinweise auf Rattensichtungen ein. Das heißt nicht, dass es mehr Ratten gibt. Im Herbst aber werden die Nager sichtbarer. „Auf Feldern und in der Gemarkung finden Ratten in der kalten Jahreszeit weniger Futter. Deshalb suchen sie verstärkt in der Stadt nach Nahrung“, sagt Jasmin Werner von den Groß-Gerauer Stadtwerken. Schätzungen zufolge kommen auf jeden Menschen zwei bis vier Ratten. Für Groß-Gerau bedeutet dies, dass hier zwischen 50.000 und 100.000 Ratten leben dürften.
Häufig sind Ratten in der Kanalisation anzutreffen, auch wenn sie dort nicht unbedingt leben. „Unsere Kanalrohre dienen ihnen eher als Verkehrswege. Sie sind gewissermaßen das Tunnelsystem der Ratten“, erläutert Harald Steiger, der Technische Leiter der Stadtwerke Groß-Gerau.
Gezielte Bekämpfung statt Dauerbeköderung
Um die Rattenpopulation einzudämmen, setzen die Stadtwerke auf gezielte Bekämpfung. Im Vergleich zu früher hat sich das Vorgehen dabei deutlich verändert: Seit 1. Juli 2026 ist die befallsunabhängige Dauerbeköderung mit Gift verboten. „Es muss erst ein Befall festgestellt werden, um bekämpfen zu dürfen“, erklärt Abwassermeister Timothy Reichert.
Die Groß-Gerauer Stadtwerke haben deshalb schon zu Jahresbeginn das System umgestellt und setzen neben Giftködern auch auf sogenannte Schlagfallen. Die Schlagfallen lassen sich in engen Kanalrohren einsetzen. Sie lösen aus, wenn Sensoren sowohl Bewegung als auch Körperwärme registrieren. Die Ratte wird dann durch mehrere Bolzen schnell und sicher getötet. Durch die Strömung wird die tote Ratte zur Kläranlage weggespült. Die Fallen setzen sich automatisch zurück und sind dann wieder einsatzbereit. Die Schlagfallen werden jeweils für ein Vierteljahr in einem Quartier platziert.
Rattengift darf keinen Kontakt mehr mit Wasser haben
Daneben gibt es Giftboxen, die ebenfalls regelmäßig versetzt werden. Seit diesem Jahr darf Rattengift in der Kanalisation nur noch in Köderschutzstationen verwendet werden, die den Kontakt der Köder mit Wasser vermeiden. Das Gewicht der Köder wird gewogen, sodass sich nachvollziehen lässt, wie viel davon gefressen wurde. Zudem ist ein regelmäßiger Tausch der Köder nötig.
Die einzelnen Stationen liefern online Daten, wenn es zu Bewegungen kommt – also eine Schlagfalle auslöst oder eine Köderschutzstation betreten wird. Das führt dazu, dass sich genau tracken lässt, was im Untergrund passiert. „Das gezielte Monitoring haben wir seit diesem Jahr“, legt Jasmin Werner dar. In einigen Jahren wird es auf diese Weise aussagekräftige Vergleichsdaten geben.
Bei den Köderschutzstationen lässt sich der Bekämpfungserfolg – anders als bei Schlagfallen – nicht direkt ablesen. In diesem Jahr aber wurde bei beiden Systemen zusammen schon eine mittlere vierstellige Zahl an Kontakten erfasst.
Gifteinsparung von rund 95 Prozent
Die Gifteinsparung betrage rund 95 Prozent, sagt Abwassermeister Timothy Reichert. Früher habe man praktisch jeden zweiten Kanalschacht beködert. Die Köder seien aber oft weggespült worden und das Gift ins Abwasser gelangt.
Dank der frühzeitigen Umstellung sei Groß-Gerau weiter als viele andere Kommunen, so Reichert. An Hot-Spots würden Ratten dauerhaft bekämpft. Als besondere Schwerpunkte gelten vor allem große Wohnanlagen und Industriegebiete.
Der Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke in puncto Ratten beschränkt sich auf die Kanalisation und Straßen. Auf öffentlichem Grund – etwa auf Plätzen, in Parks und Grünanlagen, auf Spielplätzen oder Friedhöfen – ist die Stadtverwaltung zuständig. Und auf Privatgrundstücken obliegt der Einsatz gegen Ratten den Eigentümerinnen und Eigentümern.
Auf keinen Fall Essen über die Toilette wegspülen
„Es besteht eine gesetzliche Verpflichtung, Rattensichtungen zu melden“, erklärt Harald Steiger. Nur so werde es möglich, effektiv gegen die Ausbreitung der Nager vorzugehen.
Auch jede und jeder Einzelne kann mit seinem Verhalten helfen: Auf keinen Fall sollten Essensreste über die Toilette und den Kanal entsorgt werden. „Für Ratten wäre das so etwas wie ein Fließbandbüfett“, veranschaulicht Jasmin Werner.
Wer Ratten im Bereich der Kanalisation und von Straßen sieht, sollte sich an die Stadtwerke (Stadtentwässerung, Telefon 06152-93150, E-Mail abwasser@stadtwerke-gg.de) wenden.
Bei Sichtungen auf öffentlichem Grund ist der Fachdienst Sicherheit und Ordnung der Kreisstadt Groß-Gerau (Telefon 06152-7163100, E-Mail sicherheitundordnung@gross-gerau.de) der richtige Ansprechpartner.