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Datum: 29.10.2026

Offizieller Baustart für die Ortsumgehung Dornheim

Manch einer hatte schon gezweifelt, ob es diesen Tag tatsächlich geben wird – doch am Donnerstag war es soweit: Bei strahlendem Sonnenschein ist der offizielle Spatenstich für die B-44-Ortsumgehung Dornheim erfolgt. Rund 200 Besucherinnen und Besucher, davon viele aus Dornheim, verfolgten den feierlichen Akt des Baubeginns.

Die Verkehrsfreigabe für die 5,1 Kilometer lange und rund 36 Millionen Euro teure Trasse, die im Westen um Dornheim herumführen wird, soll Ende 2029 erfolgen. Damit gehen dann fast sechs Jahrzehnte der Diskussionen, des Wartens und des Bangens zu Ende.

Gegen 12 Uhr fliegt die Erde in die Höhe

Gegen 12 Uhr flog die Erde symbolisch in die Höhe: Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweg Mansoori, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Ulrich Lange, Hessen-Mobil-Präsident Heiko Durth, Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau, die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Ines Claus, Groß-Geraus früherer Bürgermeister Stefan Sauer, Landrat Thomas Will, der ehemalige Landtagsabgeordnete und Kreistagsvorsitzende Gerald Kummer, Riedstadts Bürgermeister Marcus Kretschmann, Arno Krämer und Sonja Ebling von Hessen Mobil sowie Zora Hädrich, Enkelin des über Jahrzehnte in der Bürgerinitiative B-44-Ortsumgehung Dornheim aktiven Rudi Daum, waren dabei.

Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau ging in seiner Ansprache auf den langen Weg zur Ortsumgehung ein, die seit den frühen siebziger Jahren im Gespräch ist. Schon damals hieß es, dass „bald“ gebaut werde. Wie sich herausgestellt habe, sei „bald“ ein dehnbarer Begriff. Er skizzierte die lange diskutierten Varianten „Groß-West“ und „Groß-Ost“, sprach die Änderung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und das Auftauchen des Tüpfelsumpfhuhn an, die in den 2000er-Jahren eine so gut wie fertige Planung zunichte machten, und ging auf den Schockmoment 2025 ein, als plötzlich die Finanzierung des seit März 2023 gesichert scheinenden Projekts auf der Kippe stand.

Groß-Geraus Bürgermeister würdigt die BI und Rudi Daum

Vor allem aber würdigte er die 1972 gegründete Bürgerinitiative (BI) B-44-Ortsumgehung Dornheim, von der Dieter und Andrea Neumann als verbliebe Mitglieder erschienen waren – die meisten sind schon tot. Über Jahrzehnte hinweg hatte die Initiative beim Thema Ortsumgehung immer wieder gebohrt, nachgehakt, protestiert. In den Anfangsjahren waren es Heinrich Gerst und Ilse Neidlinger, die der Initiative ein Gesicht haben, später kamen andere dazu.

Einer aber ragte heraus: „Mister B 44“ Rudi Daum, der mehr als sein halbes Leben für die Ortsumgehung gekämpft hat. Den Spatenstich erlebte er nicht mehr mit, Ende April 2025 verstarb er mit fast 91 Jahren. Zumindest sein Bild aber war auf einer Staffelei präsent. „Und ich bin mit sicher, der Rudi schaut von oben zu“, sagte Rüddenklau.

Hessen Verkehrsminister Kaweh Mansoori erwartet deutliche Entlastung

Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori verwies darauf, dass täglich rund 15.000 Fahrzeuge durch Dornheim rollen. Die Umgehung werde den Verkehr in der Ortsdurchfahrt um etwa 60 Prozent reduzieren. Für die Menschen im Ort werde dies zu mehr Lebensqualität führen. Er sprach davon, dass man sich in Infrastrukturfragen von Augenmaß und Pragmatismus leiten lassen müsse. Zudem gelte es, Projekte schneller voranzubringen.

Staatssekretär Ulrich Lange ging auf die Frage ein, ob Ortsumgehungen noch zeitgemäß seien. Die klare Antwort laute: „Es gibt Ortsumgehungen, die sind einfach dringend.“ Die 36 Millionen Euro für die Umgehung, die der Bund als Baulastträger zahlt, seien gut angelegtes Geld, weil auch Leistungsfähigkeit und Sicherheit der B 44 erhöht würden. Mit Investitionen in Infrastruktur zeige der Staat, dass er funktioniere.

Anspruchsvolles Projekt im Wasserschutzgebiet

Hessen-Mobil-Präsident Heiko Durth sprach von einem anspruchsvollen Projekt, auch mit Blick auf die Lage im Wasserschutzgebiet. „Ich danke allen, die die Planung und die umfangreichen Vorarbeiten möglich gemacht haben.“ Wie die anderen Redner auch wünschte er dem Vorhaben einen zügigen und unfallfreien Verlauf.

Der Spatenstich rief auch bei Medienschaffenden großes Interesse hervor. Auch die Groß-Gerauer Kommunalpolitik war stark vertreten, angeführt von Stadtverordnetenvorsteherin Julia Hartmann und der Ersten Stadträtin Susanne Theisen-Canibol.

Beim Termin in der verlängerten Taunusstraße in Dornheim bestand auch Gelegenheit, sich über den Trassenverlauf zu informieren und Fundstücke der hessenARCHÄOLOGIE in Augenschein zu nehmen.

Umgehung beginnt 700 Meter nördlich von Dornheim

Die Umfahrung von Dornheim beginnt rund 700 Meter nördlich der Ortslage und verläuft in einem Bogen westlich an dem Groß-Gerauer Ortsteil vorbei. Drei neue Knotenpunkte (Kreisel) binden die Ortsdurchfahrt und ländliche Wege im Norden, die Kreisstraße K 157 in der Mitte sowie die B 26 und die Landesstraße L 3096 im Süden an. An der Taunusstraße entsteht eine Unterführung. Damit bleibt die Verbindung der regionalen Radroute 27 zwischen Dornheim und Wallerstädten erhalten.

Bei der Planung wurde auch der Grundwasserschutz berücksichtigt: Die Trasse liegt in einer Wasserschutzzone und wird deshalb in Dammlage geführt. Das Straßenwasser wird über hochgelegte Mulden abgeleitet und mit ausreichendem Abstand zum Grundwasser versickert.

Mit der Verkehrsfreigabe soll die bisherige B 44 in der Ortslage abgestuft werden. Zudem wird ein rund 1,8 Kilometer langer Abschnitt der alten Bundesstraße südlich von Dornheim zurückgebaut.