„Tag der offenen Moschee“ in Groß-Gerau
Zum „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober hatten in Groß-Gerau die Bait-ul-Shakoor Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat im Norden Groß-Geraus und die Moschee der türkischen Gemeinde Milli Görüs in der Sudetenstraße ihre Türen geöffnet. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, um einen Blick in die Moscheen zu werfen. Auch viele Lokalpolitikerinnen und -politiker suchten das Gespräch.
Der „Tag der offenen Moschee“ bildete gewissermaßen den Abschluss der vom Sozial- und Integrationsbüro der Kreisstadt Groß-Gerau und dem Evangelischen Dekanat Groß-Gerau – Rüsselsheim gemeinsam mit vielen Kooperationspartnerinnen und -partnern organisierten Interkulturellen Wochen in der Kreisstadt mit mehr als 30 Veranstaltungen von Vorträgen und Diskussionsrunden über Kino- und Kochabende bis hin zum Stadtteilfest am Springberg und der Widmung der Begegnungsräume im Haus Raiss an die jüdische Familie Hirsch.
Platz für alle, die sich an Stadtgesellschaft beteiligen wollen
Auch Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau ließ es sich am Samstag nicht nehmen, beide Gemeinden zu besuchen. Er warb für gegenseitigen Respekt und betonte, dass Groß-Gerau eine offene Stadt sei, in der Menschen aus vielen Nationen und unterschiedlichsten Glaubens beheimatet seien. „Hier ist Platz für alle, die sich an der Stadtgesellschaft beteiligen wollen“, sagte er. Dass der „Tag der offenen Moschee“ seit mehr als 30 Jahren auf den „Tag der deutschen Einheit“ falle, passe. „Wir alle bilden zusammen die Gesellschaft.“
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat hat das frühere „Wunderland der Märchen“ gegenüber dem Woogsdammweg 1985 erworben und dort ihr Freizeitzentrum „Nasir Bagh“ aufgebaut. In den Anfangsjahren war Groß-Gerau Schauplatz der bundesweiten Treffen der Ahmadis. 1992 wurde die Bait-ul-Shakoor Moschee eröffnet.
Ahmadis zählen in Groß-Gerau rund 1150 Mitglieder
„Die Moschee ist auch ein Ort der Begegnung“, erklärte Gemeinde-Vorsitzender Ali Imran Zafar. Der 3. Oktober als „Tag der offenen Moschee“ sei gut gewählt. „Deutschland ist unser Vaterland, wir stehen dazu.“ Die Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Stadt Groß-Gerau zählt rund 1150 Mitglieder, in den umliegenden Städten und Gemeinden sind es weitere 2500. Die Zahl der Mitglieder bundesweit liegt bei etwa 65.000.
Zafar, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Taemoor Kang und Imam Ferhad Ghaffar informierten mit weiteren Gemeindemitgliedern über den Glauben der Ahmadis. Als Begründer der Gemeinschaft gilt Mirza Ghulam Ahmad (1835 – 1908), dessen Nachfolger, die Kalifen, rein spirituelle Oberhäupter seien.
In der Moschee war eine Islam-Ausstellung ausgebaut. Außerdem bestand Gelegenheit, die auf dem Gelände gelegene Naturkita „Halima“ zu besuchen, die auch Kindern nicht-muslimischen Glaubens offensteht.
„Milli Görüs“-Moschee dient auch als Ort der Begegnung
Bei „Milli Görüs“ wohnte Rüddenklau einem von Imam Mehmet Kizilcaoglu geleiteten Gebet bei. Die türkische Gemeinde hat in Groß-Gerau etwa 250 Mitglieder, Hauptsitz der Region Hessen ist Rüsselsheim.
Serkan Yagci, Deutsch-Referent für die „Milli Görüs“-Gemeinden in Hessen, legte die Grundlagen des islamischen Glaubens dar und ging auf die fünf Gebetszeiten ein. Die Tür der Moschee stehe tagsüber allen Interessierten offen, sie sei zugleich Begegnungszentrum und Bildungsstätte.
Der Islam-Unterricht werde seit etwa 15 Jahren auf Deutsch gehalten. Kinder und Jugendliche lernten hier, den Koran zu lesen. Zudem gebe es Unterstützung in Bildungsfragen, Angebote in den Ferien und Berufsorientierung für Jugendliche, erzählte Yagci. Auch Moschee-Führungen für Schulen würden angeboten. Beim Besuch von Bürgermeister Rüddenklau stellten sich auch die Frauenjugendabteilung und Frauenabteilung der lokalen „Milli Görüs“-Gemeinde vor.