Gemälde von Bartussek fürs Stadtmuseum
Das Groß-Gerauer Stadtmuseum verfügt jetzt über zwei weitere Kunstschätze: Die Kreissparkasse Groß-Gerau übergab kürzlich zwei großformatige Ölgemälde des lange Zeit in Groß-Gerau wirkenden Malers Erwin Bartussek (1913 bis 1986) an das Museum. Dessen langjähriger Leiter Jürgen Volkmann nahm die Werke kurz vor Beginn seines Ruhestands gemeinsam mit Bürgermeister Jörg Rüddenklau und Klaus Meinke, dem Vorsitzenden des Fördervereins Stadtmuseum, entgegen.
Die Bilder hingen über viele Jahre im Wartebereich für Privatkunden der Kreissparkasse. Die Idee, sie dem Museum zu überlassen, sei im Gespräch mit Jürgen Volkmann entstanden, erzählte Bastian Locher, Direktor Privatkunden bei der Kreissparkasse. „Ins Museum kommen die Menschen, um Bilder zu sehen. Daher sollten wir sie dort präsentieren, wo Menschen gezielt hinkommen, um sich mit Kunst und Kultur zu beschäftigen.“
Eines der beiden Gemälde zeigt einen frühlingshaften Baum mit zarten, weißen Blüten vor einer Hügelkette in der Ferne. Im Vordergrund ragt schemenhaft eine antike Säule auf, wirkt wie eine Luftspiegelung. Das andere Werk gleicht einem Traumbild, weckt Assoziationen an Marc Chagall: Eine mystische Gestalt gebietet der Naturgewalt Einhalt, schützt einen Baum vorm Sturm und bringt neue Triebe hervor.
Bartussek wirkte an der Prälat-Diehl-Schule
Der 1913 in Teschen in Nordmähren geborene Bartussek hatte in Prag Kunsterziehung und Geografie studiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Hessen, wurde 1949 Lehrer an der Höheren Bürgerschule. Diese befand sich seinerzeit noch in den Räumen der heutigen Goetheschule. 1951 wurde die Höhere Bürgerschule nach dem aus Groß-Gerau stammenden Seelsorger, Historiker und Prälaten Wilhelm Diehl (1871 bis 1944) in Prälat-Diehl-Gymnasium umbenannt. In der Aula der heutigen Goetheschule gestaltete Bartussek ein Wandbild an der Stirnseite. Bartussek richtete außerdem verschiedene Arbeitsgemeinschaften ein, darunter eine für Töpferei.
Klaus Meinke, der Bartussek als Kunsterzieher kennenlernen durfte, sprach von einem „ruhigen, freundlichen Lehrer“, der sich eigenen Arbeiten widmete, nachdem die Schüler mit Aufgaben versorgt waren.
Jürgen Volkmann stellte den nicht zuletzt in Italien hoch geschätzten Bartussek zwei anderen aus Groß-Gerau stammenden Künstlern an die Seite: dem Genremaler Wilhelm Altheim (1871 bis 1914), von dem das Museum ein größeres Konvolut besitzt, und dem 1951 geborenen Meister der Farbfeldmalerei, Gerd Winter. Altheim und Winter hat das Museum schon mehrfach Ausstellungen gewidmet.
Verfechter des Gegenständlichen und Schönen
Volkmann bekundete die Hoffnung, dass der Förderverein in naher Zukunft eine Schau mit Werken von Bartussek ausrichten könne. Hierzu stehe er in Kontakt mit dessen Töchtern, die den Nachlass verwalten.
Wie Volkmann erklärte, sei Bartussek ein Verfechter des Gegenständlichen und Schönen geblieben. Sein Credo habe „Können und künden“ gelautet, mit seiner Kunst habe er Menschen aufrichten wollen. Dass das Museum nun zwei seiner Werke besitze, sei eine glückliche Fügung.