Schülerinnen und Schüler aus Tielt zu Gast
Die Kreisstadt Groß-Gerau hat derzeit Schülerinnen und Schüler aus ihrer belgischen Partnerstadt Tielt zu Gast: Das Mittelstufengymnasium Luise-Büchner-Schule hat einen Austausch mit der Schule „De Bron“ gestartet. Nachdem die deutsche Gruppe vom 6. bis 11. Februar 2026 in Westflandern weilte, steht nun der Gegenbesuch an.
Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau ließ es sich nicht nehmen, die jungen Belgierinnen und Belgier und ihre Lehrkräfte Charlotte Decroubele und Kobe Nachtergaele persönlich zu begrüßen. Städtepartnerschaften leben von Begegnungen zwischen den Menschen und nicht allein von Treffen offizieller Delegationen. Entscheidend sei, dass gerade auch junge Leute sich einbrächten. „Ich hoffe, dass Ihr weitermacht“, sagte er.
Das Amt für Gesellschaft, Kultur und Soziales der Kreisstadt hatte einen kleinen Empfang im Stadtmuseum organisiert, an dem seitens der Groß-Gerauer Schule neben den betreuenden Lehrkräften Edina Damwitz und Olaf Batz auch Schulleiterin Dr. Annette Schmitt teilnahm.
Rundgang zur Groß-Gerauer Geschichte
Anschließend nahm der frühere Museumsleiter Jürgen Volkmann die Gäste mit auf eine Reise durch die Geschichte Groß-Geraus. Er erzählte vom Jazzkeller in der früheren Bäckerei Heldmann am Marktplatz, zeigte den Marktbrunnen von 1595 mit den Kohlköpfen als Symbol für die Fruchtbarkeit des Gerauer Landes und führte die Schülerinnen und Schüler zum Ferkelbauern. Dessen Denkmal erinnert daran, dass es in Groß-Gerau noch bis 1986 einen großen Ferkelmarkt gab.
Weitere Stationen waren der Standort des früheren Stadttors in der Darmstädter Straße, der Sandböhl, an dem sich einst das Kaufhaus der jüdischen Familie Kahn befand, die Schulstraße, die Stadtkirche (in der zufällig auch noch Orgelklänge zu hören waren) und das Historische Rathaus von 1578/79 mit der Figurengruppe der Hessendrescher.
Auch die Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs der Luise-Büchner-Schule hatten etwas vorbereitet und informierten ihre Gäste aus der elften Klasse der Schule „De Bron“ über die Geschichte Groß-Gerauer Plätze und Bauwerke.
Kulturelles Erbe ist Oberthema des Austausches
Das Oberthema des Austauschs lautet „Cultural heritage - kulturelles Erbe“. In Tielt hatten die Schülerinnen und Schüler alte, verlassene Gebäude aufgesucht und gemeinsam überlegt, welche neue Funktion man ihnen zuweisen könnte. Auch in Gent beschäftigten sie sich mit dieser Frage.
Zum Programm in Groß-Gerau gehören neben Ausflügen mit den jeweiligen Gastfamilien auch ein gemeinsames Kochen in binationalen Gruppen und eine Führung mit Walter Ullrich über den jüdischen Friedhof in Groß-Gerau. In der Stadt sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Spuren jüdischen Lebens beschäftigen und dazu eine kleine Ausstellung erarbeiten.
Den Abschluss der gemeinsamen Zeit bilden am 11. März der Besuch des Jüdischen Museums in Frankfurt und die Erkundung der Mainmetropole.
Städtepartnerschaft besteht seit 1959
Die Kreisstadt Groß-Gerau ist seit 1959 mit Tielt (Belgien), Brignoles (Frankreich) und Bruneck (Italien) in einer Ringpartnerschaft verbunden. 1989 wurde zudem ein Freundschaftsvertrag mit Szamotuly in Polen geschlossen, der im Jahr 2000 in eine Partnerschaft umgewandelt wurde.
Geschlossen wurde die Städtepartnerschaft am 11. Juli 1959 im Tielter Rathaus. Umso erfreulicher ist nun, dass es auf schulischer Ebene einen Austausch mit der belgischen Partnerstadt gibt.