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Datum: 29.04.2026

Julia Hartmann leitet das Stadtparlament

Die Groß-Gerauer Stadtverordneten haben bei ihrer konstituierenden Sitzung am Dienstagabend in der Stadthalle Julia Hartmann von der CDU zur neuen Stadtverordnetenvorsteherin gewählt. Für Hartmann votierten alle 37 Stadtverordneten. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt bekleidet. Hartmann folgt auf Christian Wieser (CDU), der von 2011 bis 2016 und von 2021 bis 2026 die Sitzungen leitete. Wieser hatte angekündigt, das Amt in jüngere Hände legen zu wollen; der neuen Stadtverordnetenversammlung gehört er nicht mehr an.

Hartmann dankte für das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wird. Es sei ihr eine große Ehre, als erste Frau Stadtverordnetenvorsteherin in Groß-Gerau zu sein. Dies sei nicht nur ein persönlicher Meilenstein, sondern Ausdruck für den Wandel in der Gesellschaft. Ehrenamt und Familie müssten vereinbar sein.

17 von 37 Stadtverordneten sind neu dabei

Dass von 37 Stadtverordneten gleich 17 neu dabei seien, wertete sie als gutes Zeichen für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Auch die von 47,3 auf 50,7 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl am 15. März 2026 zeige, dass Interesse an der kommunalen Demokratie bestehe – wenngleich sie hier noch Luft nach oben sehe.

Ihr Amt wolle sie fair und neutral ausüben. Julia Hartmann warb für respektvollen Umgang miteinander und dafür, sachliche und konstruktive Debatten im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu führen.

Bürgermeister freut sich auf konstruktive Zusammenarbeit

Zuvor hatte Bürgermeister Jörg Rüddenklau (SPD) die Sitzung eröffnet und bekundet, sich auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit zu freuen.

Dem früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Hartmann, der der Stadtverordnetenversammlung seit 1993 und damit so lange wie kein anderes Mitglied des Hauses angehört, kam die Aufgabe zu, die Sitzung anfangs zu leiten. Er stellte fest, dass Bürgermeister Jörg Rüddenklau (SPD), Dr. Christoph Jäger (CDU) und Karl-Heinz Wamser (Kombi-FWG) auf ihr Mandat verzichtet hätten, Siegfried Koss (Kombi-FWG) nicht habe nachrücken wollen. Nachrücker sind Siegrid Malkmus (SPD), Steffen Kremer (CDU) und Bernd Schneider (Kombi-FWG).

CDU ist stärkste Kraft

Bei der Kommunalwahl am 15. März 2026 war die CDU mit 31,9 Prozent stärkste Kraft geworden. Dahinter folgten die SPD (27,99 Prozent), die Freien Wähler (13,21), die Grünen (12,77), die Linke (6,54), die Kombi-FWG (4,76) und die FDP (2,83).

Die 37 Sitze in der neuen Stadtverordnetenversammlung verteilen sich wie folgt: CDU (12), SPD (10), Freie Wähler (5), Grüne (5), Linke (2), Kombi-FWG (2) und FDP (1).

Vier stellvertretende Parlamentsvorsitzende

Bei der Wahl der stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteherinnen und -vorsteher konkurrierten zwei Listen: die der CDU und eine gemeinsame von SPD, Freien Wählern und Grünen. Auf die CDU-Liste entfielen 14, auf die gemeinsame Liste 23 Stimmen. Dadurch gab es nach dem Hare/Niemeyer-Sitzzuteilungsverfahren einen Stellvertreterposten für die CDU und drei für die gemeinsame Liste. Damit sind Volker Sperfechter (CDU), Sascha Reza (SPD), Monika Freitagsmüller (Freie Wähler) und Peter Etges (Grüne) zu Stellvertreterinnen und Stellvertretern von Hartmann gewählt.

Die neue Stadtverordnetenversammlung erklärte zudem die Wahl für gültig und traf eine Reihe von Entscheidungen zur künftigen Arbeit. Über Vorschläge der Verwaltung zur Neufassung von Haupt- und Entschädigungssatzung sowie der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung soll zunächst in den Ausschüssen beraten werden.

Ehrenamtlicher Magistrat wird verkleinert

Beschlossen wurden allerdings einige Änderungen der bestehenden Hauptsatzung. Bei zwei Gegenstimmen der Linken votierten die Stadtverordneten dafür, die Zahl der ehrenamtlichen Stadträtinnen und Stadträte im Magistrat von acht auf sechs zu reduzieren. Da die geänderte Hauptsatzung erst in Kraft treten muss, entfielen die Wahl, Einführung, Verpflichtung, Ernennung und Vereidigung der ehrenamtlichen Magistratsmitglieder. Die Geschäfte werden vorerst vom bestehenden Magistrat weitergeführt.

Die Zahl der Ausschüsse wird von fünf auf vier reduziert (die Verwaltung hatte drei vorgeschlagen). Wie bislang sollen jedem Ausschuss neun Mitglieder angehören, die sich wie folgt verteilen: CDU (3), SPD (2), Freie Wähler (1), Grüne (1), Linke (1), Kombi-FWG (1).

Neuer Zuschnitt und neue Namen für die Ausschüsse

Unterschiedliche Auffassungen gab es zu Benennung und Zuschnitt der Ausschüsse. CDU und Kombi-FWG hätten es weitestgehend bei den bisherigen Benennungen belassen und das Thema Seniorinnen und Senioren weiter an den Sozialausschuss andocken wollen. Hierfür votierten 15 Stadtverordnete von CDU, Kombi-FWG und FDP, während es 22 Gegenstimmen von SPD, Freien Wählern, Grünen und Linken gab.

Mit 20 Ja-Stimmen von SPD, Freien Wählern und Grünen bei 15-Nein-Stimmen von CDU, Kombi-FWG und FDP sowie zwei Enthaltungen der Linken wurden aufgrund eines gemeinsamen Antrags von SPD, Freien Wählen und Grünen folgende Benennungen und  Aufgabenzuschnitte festgelegt: Finanz-, Digital-, Organisationsausschuss (FiDO), Klima-, Umwelt-, Mobilität-, Bau- und Stadtentwicklungsausschuss (KUMBS), Kultur-, Sport-, Vereine-, Ehrenamts-, Senior*innenausschuss (KuSS) sowie Sozial-, Familien-, Jugend-, Kinder-, Kindertagesstättenausschuss (SoFJ). Mit den neuen Benennungen und Zuschnitten trage man sich verändernden Aufgaben Rechnung, hieß es.

Künftig soll es ein Präsidium geben

Mit jeweils 22 Stimmen von SPD, Freien Wählern, Grünen und Linken votierte die Stadtverordnetenversammlung bei Gegenstimmen von CDU, Kombi-FWG und FDP dafür, ohne Änderung der Hauptsatzung jederzeit neue Ausschüsse bilden zu können. Außerdem soll es ein Präsidium aus Stadtverordnetenvorsteherin und ihren Stellvertretungen geben. Das Abstimmungsergebnis war hier identisch.

Bei Verhinderung der Stadtverordnetenvorsteherin soll die Vertretung monatlich zwischen den Stellvertretungen wechseln. Für diesen Vorschlag im gemeinsamen Antrag von SPD, Freien Wählern und Grünen votierten neben den antragstellenden Fraktionen auch Linke und drei Stadtverordnete der CDU.

Anschließend ging es in einen regelrechten Wahlmarathon. Bis nahezu 22.30 Uhr wurden in geheimer Wahl die Vertreterinnen und Vertreter in Kommissionen und Verbänden bestimmt.