Sprungziele
Hauptmenü
Inhalt
Datum: 03.06.2026

Auf den Spuren von Anne Frank

In der Groß-Gerauer Innenstadt kann man sich noch bis Freitag, 12. Juni 2026, auf die Spuren der Geschichte von Anne Frank begeben: An zwölf Stationen einer Plakatausstellung kann man ihrem Lebensweg nachspüren und Ausschnitte aus ihrem Tagebuch nachlesen. Ermöglicht wurde das durch eine Kooperation der Kommunalen Jugendarbeit mit den „Omas gegen Rechts“ Groß-Gerau.

Rundgang mit Schülerinnen und Schülern

Gewissermaßen als Auftakt zur Ausstellung ging es am Montagmorgen für die Klasse 6h der Luise-Büchner-Schule gemeinsam mit Lehrerin Sabine Reichart-Sen sowie Eva Stritzke und Elma Weyerhäuser von den „Omas gegen Rechts“ und Carolin Glock vom Groß-Gerauer Jugendzentrum Anne Frank durch die Stadt.

Wie kann man mit Angst umgehen, was passiert, wenn viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen, warum riskieren Helferinnen und Helfer ihr Leben? Mit diesen Fragestellungen setzten sich die Schülerinnen und Schüler ebenso auseinander wie mit den Ursachen für den Holocaust. Dabei zeigten sie sich über die Lebensgeschichte Anne Franks gut informiert.

Stationen des Rundgangs, der sich vor allem auf die Darmstädter Straße konzentriert, sind der Foto-Laden Schleicher, der städtische Schaukasten am Sandböhl, das Kaufhaus Braun am Sandböhl, der Whisky-Laden, das Café Moccabaz, das Haushaltswarengeschäft Tabula, der Allwetterladen, der Schaukasten vorm Alten Amtsgericht, Fahrrad Fuchs, der Friseur Haarwelt, das Modehaus Braun und die Buchhandlung Frank. Die Plakate sind in den Schaufenstern der Geschäfte ausgehängt.

Beklemmende Tagebucheinträge

Was jeweils unter einem großen Porträtfoto von Anne Frank zu lesen ist, sorgt für Beklemmungen. Am 19. November 1942 etwa schreibt Anne: „Ich sehe abends oft die Reihen guter, unschuldiger Menschen vor mir, mit weinenden Kindern! Immer nur laufen müssen, kommandiert von ein paar Kerlen, geschlagen und gepeinigt, bis sie fast zusammenbrechen. Niemand wird geschont. Alte, Kinder, Babys, schwangere Frauen, Kranke… alles, alles geht in dem Zug zum Tod.“

Es sei wichtig, daran zu erinnern, was passiert ist, damit es nicht erneut passiert, fasste eine Schülerin die Bedeutung der Erinnerungsarbeit zusammen.

Einsatz für Menschenrechte

Eva Stritzke von den „Omas gegen Rechts“ betonte: „Wir engagieren uns gegen Menschenrechtsverletzungen, für Menschenrechte.“ Dabei sei es manchmal auch nötig, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Außerdem äußerte sie die Hoffnung, dass sich auch viele Erwachsene auf die Spuren von Anne Frank begeben mögen.

Anne Frank war am 12. Juni 1929 als zweites Kind jüdischer Eltern in Frankfurt am Main geboren worden. 1934 zog die Familie in die Niederlande, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Ab Mai 1940 standen dann aber auch die Niederlande unter deutscher Besatzung.

Als Annes Schwester Margot 1942 zur Zwangsarbeit eingezogen werden sollte, versteckte sich die Familie in einem Hinterhaus in der Prinsengracht 463 in Amsterdam. Bis sie verraten wurden, schrieb Anne dort alles, was ihr auf der Seele lag, in ein kariertes Tagebuch, das sie zu ihrem 13. Geburtstag erhalten hatte. Zwei Jahre nach dem Tod von Anne und ihrer Schwester Margot zwischen Februar und März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen veröffentlichte ihr Vater Otto, der als einziger aus der Familie den Holocaust überlebt hatte, Annes Tagebuch.