Glücksgefühle überall
Seit über neun Jahren gibt es die Naturgruppe der kommunalen Kindertageseinrichtung „Hölderlinstraße“ in Dornheim, die von rund 40 Kindern besucht wird.
Spürbar ist die Begeisterung der fünfjährigen Leni wenn sie erzählt: „Ich spiele manchmal Hot-Dog-Verkäuferin, das macht mir Spaß. Und wir bauen tolle Parcours zum Klettern. Mit Baumstämmen, Matten, großen Rollen und vielen anderen Sachen.“ „Ich find es cool, dass ich hier Mittagessen kann und ganz viel Fahrradfahren“, berichtet Louis (4).
„Ich finde die Wasserspiele im Sand, mit Pool und so am besten“, ergänzt Tilda (4).
Die drei Kinder, die die Naturgruppe der kommunalen Kindertageseinrichtung (Kita) „Hölderlinstraße“ in Dornheim besuchen, geraten geradezu in Schwärmen, wenn sie von ihren vielfältigen Erlebnissen berichten. Und wer das in direkter Nachbarschaft der Dornheimer Dreifelder-Sporthalle gelegene Gelände der Naturgruppe mal besucht, sich dort umgesehen hat, kann das Glücksgefühl der Kinder gewiss nachvollziehen.
Im Oktober 2017 startete das Projekt der Kita-Naturgruppe mit zwölf Kindern. Inzwischen tummelt sich dort eine lebendige Gemeinschaft, in der aktuell 40 Kinder betreut werden. „Im Laufe der Jahre hat sich unser Gelände ständig weiterentwickelt und unsere Ideen sind noch längst nicht am Ende“, weiß Melanie Heil, die als stellvertretende Leiterin der Kita Hölderlinstraße für die Naturgruppe verantwortlich zeichnet. „Jedes Jahr entstehen neue Spiel- und Erlebnisbereiche, die wir gemeinsam mit den Kindern gestalten. So entstand beispielsweise auch unser Barfußpfad im Zauberwald und zuletzt ist ein Holzpferd bei uns eingezogen.“
Keine Frage, die Naturgruppe bietet reichlich Raum zum Spielen, Entdecken und Lernen. Denn neben dem Zauberwald finden sich Fantasie anregende Aktionsflächen wie das Piratenschiff, die Matschküche, die Werkbank, die Bühne, der Kaufladen, der Fahrradparcours, die Schulhäuser und – da sind sich die Kinder einig – die „größte Sandkiste der Welt“. „Es ist einfach nur schön zu sehen, dass die Kinder gerne mit Naturmaterialien spielen und kreative Ideen entwickeln – ganz ohne Fernseher, Tablet oder sonstige Medien“, so Erzieherin Regina Voß-Kiendl.
Angesicht ihrer vielen Möglichkeiten Ideen zu entwickeln und umzusetzen haben die Kinder im Betreuungsteam der Naturgruppe pädagogische Fachkräfte mit besonderen Qualitäten und Stärken ausgemacht: Da gibt es Fußballtrainerinnen, Übungsleiterinnen für das Kinderturnen, eine Gärtnerin, eine Yoga-Lehrerin, eine Malerin und sogar eine Baumeisterin.
„Unsere Gruppenräume haben keine Wände und Decken, wir sind fast immer und gerne draußen – bei jedem Wetter, egal ob Sonne, Regen oder Schnee“, erzählen die Kinder.
Die Erfahrung der Erzieherinnen zeigt, dass die Kinder sich schnell daran gewöhnen nahezu ständig draußen zu sein, denn die natürliche Umgebung verändert sich mit den Jahreszeiten und bietet immer Gelegenheit, die Umwelt neu zu entdecken. Wie hören sich die Stimmen der unterschiedlichen Vögel an, wie schmecken Kräuter, wie fühlt sich eine Schnecke auf dem Arm an oder wie entwickelt sich ein Schmetterling. All das erleben die Kinder in der Naturgruppe. Und quasi nebenbei erfahren die Kinder, dass eigenhändig gesetzten Pflanzen in den Hochbeeten nur bei guter Pflege gedeihen. Oder auch, dass Himbeeren am Strauch und Feigen an einem Baum wachsen.
„Die Kinder haben richtig viel Bewegungsfreiheit auf dem großen Gelände. Wir pflanzen mit den Kindern, ernten das Gemüse oder Obst und verkosten es direkt vor Ort“, freut sich Erzieherin Katja Arndt über die vielfältigen Varianten ihrer Arbeit in der Naturgruppe. Ergänzend sammeln die Kinder bei regelmäßigen Ausflügen in das nahegelegene Naturschutzgebiet und durch die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Obst- und Gartenbauverein zahlreiche weitere Erfahrungen.
Drei gemütlich eingerichtete Bauwagen dienen Kindern und Betreuern das ganze Jahr über als geschützte Rückzugsorte, die auch gerne mal zum Ausruhen genutzt werden. Denn dort finden sich unter anderem vertraute Spielmaterialien wie Bücher, Gesellschaftsspiele, Puppen, Fahrzeuge oder Lego-Bausteine. „Gerade in der Phase der Eingewöhnung in die Naturgruppe helfen diese Dinge vielen Kindern dabei, sich in der neuen Umgebung sicher zu fühlen, sodass der Übergang vom Drinnen- zum Draußensein besser und ganz behutsam gelingt“, berichtet Melanie Heil. Neben den Bauwagen und dem großen Außengelänge bieten die benachbarte Dreifeldsporthalle, der gegenüberliegende Sportplatz und auch der Gymnastikraum der Riedhalle den Kindern reichlich Gelegenheit zu Sport und Bewegung.
Die Natur zeige den Kindern jeden Tag, wie wichtig Respekt, Achtsamkeit und Zusammenhalt ist, merkt die stellvertretende Kita-Leiterin an. So lernen die Kinder der Naturgruppe fast nebenbei, dass es wichtig ist, aufeinander Rücksicht zu nehmen, sich gegenseitig zu helfen und bei Herausforderungen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das ist auch wichtig für die Schule, die auf die Kita-Zeit in der Naturgruppe folgt. In regelmäßigen Schulkindertreffs bereitet das Team der Naturgruppe die Kinder auf diese neue Zeit vor. Und die Kinder sind sich einig: „Alles was wir hier draußen in der Natur lernen, brauchen wir auch in der Schule.“
„Die Naturgruppe der Kita Hölderlinstraße ist für Kinder ein echter Gewinn“, das bestätigen Stephanie und Sascha Raps, deren Sohn Louis sich dort außerordentlich positiv entwickelt: „Die tägliche Zeit im Freien, das spielerische Lernen in der Natur und die enge Begleitung durch das pädagogische Team fördern nicht nur Selbstständigkeit und Kreativität,
sondern stärken auch das soziale Miteinander. Für Louis ist die Naturgruppe zu einem Ort geworden, an dem er wächst, entdeckt und sichtbar aufblüht.“
Und auch Lilli (20), die sich die Arbeit in der Naturgruppe für ihr Freiwilliges Soziales Jahr ausgewählt hat, zeigt sich fasziniert: „Ich finde es beeindruckend, wie viele Möglichkeiten es hier für die Kinder gibt und wie schnell sie lernen, beispielsweise das Fahrradfahren. Es ist schön den ganzen Tag draußen zu sein und ich freue mich morgens richtig hierherzukommen. Zugleich kann endlich niemand in meiner Familie mehr sagen, dass ich öfter rausgehen soll.“